»Wie lange ist das her?« fragte Pieter Maritz.

»Die Engländer annektierten das Land im Jahre 1868,« erzählte der Buer, »und 1869 zog ich weg. Damals wurde hier ein Wort üblich, das viele wegtrieb. Das Wort hieß ‚Eidibi‛, von den Anfangsbuchstaben des ‚Illicit diamond buying‛, das heißt: ‚Unerlaubter Diamantenkauf.‛ Eidibi klang vielen schrecklich in den Ohren, denn die Engländer verurteilten die Leute, bei denen Diamanten gefunden wurden, die nicht in den Regierungsbüchern standen, zu fünf bis zehn Jahren Zwangsarbeit oder Zuchthaus. Was mich betrifft, so hatte ich damit freilich nichts zu thun, denn ich bewirtschaftete meine Farm und treckte nur deshalb, weil ich das Polizeiwesen nicht vertragen konnte und weil das Land doch freies Buernland gewesen war.«

»Wie konnten denn aber alle Diamanten in den Regierungsbüchern stehen?« fragte Pieter Maritz.

»Das ist so: Die Regierung teilte das Land, wo es ‚blauen Grund‛ gab, — und Diamanten giebt es nur im blauen Grunde, — in kleine Claims, das waren Grundstücke von dreißig Fuß im Geviert, und der Besitzer hatte nun mit Schaufel und Picke da hineinzuarbeiten. Es ist eine böse Arbeit. Der blaue Grund muß herausgegraben und dann so oft gewaschen und gesiebt werden, bis nur der tausendste Teil davon noch übrig ist. In diesem kleinen Rest sind die Diamanten, und der Besitzer muß sie alle der Behörde zeigen, wo sie notiert und genau beschrieben werden. So bekommt jeder Diamant seinen Stammbaum. Aber die Kaffern, die in den Claims arbeiten, stehlen wie die Raben. Sie werden zwar, wenn sie aus den Gruben kommen, nackt ausgezogen, und ihre Kleider, ihr Haar, ihre Ohren und ihre Mäuler werden genau untersucht, aber die Spitzbuben schlucken manchen Stein hinunter. Auf diese gestohlenen Steine sind nun viele Leute sehr erpicht, denn sie sind billiger zu haben als die, welche mit einem Stammbaum in den Handel kommen, und mancher denkt, er könnte durchschlüpfen und reich werden. Da war einer, der war schon mit sieben Pfund Diamanten an Bord des Schiffes in der Kapstadt, als ihn die Polizei noch abfaßte. Deshalb war Eidibi ein Schreckenswort in Kimberley. Die Engländer konnten die Diebe selten fassen, und sie bestraften den unerlaubten Diamantenkauf.«

Währenddessen war der Wagen vor einem zweistöckigen Backsteinhause mit vergitterten Fenstern angekommen und die Polizeibeamten ließen halten. Die Gefangenen mußten aussteigen. Sie waren vor einem richtigen Gefängnis angelangt, das nach englischer Art eingerichtet und verwahrt war. Denn Kimberley verlangte mit seiner Menge von geldgierigen, verbrecherischen Leuten, von Dieben und Hehlern und allerhand Gaunern ein ordentliches Gefängnis und eine starke Polizei.

Trüben Sinnes trat Pieter Maritz in das große steinerne Gebäude ein und hörte die schwere eisenbeschlagene Thür hinter sich zuschlagen.

[Siebenundzwanzigstes Kapitel]
Von Kimberley nach Bloemfontein