Herr Johannes Brand, Präsident des Oranjefreistaats, war ein würdiger Herr mit offenem, wohlwollendem Gesicht, das von einem lang herabwallenden weißen Barte und weißem Haupthaar umrahmt war. Pieter Maritz beobachtete voll Spannung seine Miene, und es kam ihm so vor, als ob aus dem freundlichen Antlitz ein Paar sehr kluger Augen blickten. Sein Vertrauen auf den Erfolg seines Besuches ward durch den Anblick dieser Augen aber nicht erhöht, sondern er hatte das Vorgefühl, mit einem Manne von berechnender Schlauheit und zwar freundlicher Gesinnung, doch geringer Energie zu thun zu haben.

Er trug jedoch bescheiden seine Sache vor, erzählte, welchen Auftrag er vom Präsidenten Krüger erhalten habe, welches Mißgeschick über ihn gekommen sei, indem die Engländer ihn gefangen genommen hätten, wie er aus Kimberley entkommen sei, und bat endlich um ein Pferd und eine Büchse für sich und seinen Kameraden, um wieder schnell nach Transvaal zurückkehren zu können.

»Ei, ei!« sagte der Präsident, indem er den Buernsohn scharf betrachtete und bedächtig den Kopf wiegte, »mein lieber Neffe, ich glaube schon, daß das alles wahr ist, aber haben Sie denn wohl bedacht, daß wir im Frieden sind? Der Oranjefreistaat hat keinen Krieg mit England. Wie können Sie denken, daß ich Leute mit Waffen und Pferden ausrüsten möchte, die hierher gekommen sind, um Buern aus dem Freistaat zum Kriege gegen England aufzureizen?«

Pieter Maritz war sehr betroffen. Er hatte freilich, seitdem er zuerst das Lager der Treckbuern verlassen, um mit dem Missionar ins Weite zu ziehen, viel vom Laufe der Welt kennen gelernt und genug gebietende Männer, Generale und Politiker, gesehen, um zu wissen, daß der Vorteil und nicht das Gefühl in der Lenkung der öffentlichen Angelegenheiten den Ausschlag giebt, aber diese Antwort überraschte ihn doch. Er glühte von Begeisterung für die Sache des Vaterlandes, er fühlte, daß alle Buern zusammenhalten müßten gegen den gemeinsamen Feind, und er ward sehr zornig über einen so kühlen Bescheid. Fast hätte er heftig geantwortet und seine Gedanken frei ausgesprochen; aber er besann sich darauf, daß er einer so hochgestellten Persönlichkeit gegenüber demütig sein müsse.

»Herr Präsident,« sagte er, »ich bin zu jung und unbedeutend, um Eurer Excellenz gegenüber sprechen zu dürfen, aber wir in Transvaal sehen den Krieg ganz anders an, und ich habe immer bei uns sagen hören, daß die Oranjebuern unsere Brüder wären und uns helfen würden. Der Herr Präsident Krüger wird das auch wohl denken, denn sonst hätte er uns nicht ausgeschickt, um unter den Oranjebuern Schriften zu verteilen und sie aufzufordern, zu unserer Armee zu kommen.«

»Ja, mein lieber Neffe, darüber wollen wir beide gar nicht weiterreden,« sagte der Präsident Brand lächelnd. »Ich will das gar nicht gehört haben, was Sie mir da erzählen, und rate Ihnen, sobald als möglich wieder nach Transvaal zu gehen. Höchstens kann ich Ihnen, wenn es Ihnen an Geld fehlen sollte, als Landsmann mit so viel Münze aushelfen, daß Sie mit der Post an die Grenze fahren können.«

Pieter Maritz wurde sehr rot und wollte sich schon mit kurzem Dank entfernen, als draußen ein Lärm zu vernehmen war und er einen vierspännigen Wagen vorfahren sah, in welchem er ein ihm bekanntes Gesicht, das des Schatzsekretärs Swart aus Pretoria, erblickte.

»Ich bitte Eure Excellenz,« sagte er schnell entschlossen, »mich wenigstens so lange hier zu dulden, bis der Herr, der hier vorfährt, mich gesehen haben wird. Denn ich möchte nicht, daß Eure Excellenz dächten, ich wäre hier, um zu betteln.«

Der Präsident, welcher aufmerksam nach dem Wagen sah, der vor seinem Hause hielt, nickte ihm zu und bot ihm einen Sitz an, Pieter Maritz aber erwartete mit neuer Hoffnung das Eintreten des Schatzsekretärs.

Herr Swart wurde sehr zuvorkommend vom Präsidenten begrüßt und sah, nachdem er die ersten Höflichkeiten mit diesem ausgetauscht, verwundert den jungen Buer in diesem Hause. Er vernahm dessen Geschichte und gab alsbald Auskunft über dessen Persönlichkeit. Pieter Maritz wollte sich nun entfernen, aber der Schatzsekretär hielt ihn zurück.