»Nun, mein lieber Neffe,« sagte der General, ihm die Hand schüttelnd, »wo haben Sie denn so lange gesteckt? Ich habe schon nach Ihnen ausgeschaut unter den Männern Ihrer Gemeinde, aber habe Sie nicht finden können.« Pieter Maritz erzählte seine Erlebnisse.

»Ei, mein armer Junge,« sagte General Joubert, »da sind Sie übel gefahren! Aber es freut mich, daß Sie sich aus dem Loche herausgemacht haben. Ein richtiger Buernjunge kommt doch überall durch! Die Gefangenschaft wird Sie nicht freundlicher gegen die Rotröcke gestimmt haben, und ich denke, Sie werden ihnen den Ärger in richtigen Hieben zurückzahlen. Nun setzen Sie sich einmal hier mit her, denn Sie kommen mir gerade wie gerufen.«

Pieter Maritz setzte sich, bescheiden grüßend, mit zu den versammelten Männern, alten Buern mit kühnen, wetterbraunen Gesichtern, und der General sagte: »Wir haben erfahren, daß General Colley im Anmarsch ist, und er möchte jetzt wohl nahe bei Newcastle oder schon in der Stadt selbst sein. Er kann nicht viele Mannschaft bei sich haben, schwerlich viel mehr als tausend Mann. Aber er will den Stier bei den Hörnern packen. Er kommt gerade auf die Ecke losmarschiert, welche Natal an unserm Distrikt Utrecht hin vorschiebt, und möchte wohl die Garnisonen befreien, welche wir eingesperrt halten. Die stolzen Engländer können den Gedanken nicht ertragen, daß wir dem Gouverneur von Transvaal samt seinen Soldaten den Daumen aufs Auge gedrückt und sie wie die Maus in der Falle haben.«

Ein tiefes stilles Lachen brach aus Jouberts Brust hervor, und die Buern um ihn her stimmten herzlich in das Lachen mit ein, so daß ihre mächtigen Schultern bebten.

»Sir George Pomeroy Colley möchte, wie mir scheint, auf der kürzesten Linie hierher kommen,« fuhr der General fort. »Er möchte die gute breite Straße marschieren, die von Newcastle direkt nach Pretoria führt. Aber da muß er doch, wie ihr alle wißt, durch einen Zipfel Land, der seine Schwierigkeiten hat. Ich denke, daß wir ihn mit Gottes Hilfe nicht durchlassen werden. Er muß durch die Drakensberge hindurch, um auf das Hooge Veldt zu kommen, und wir wollen ihn mit Gottes Hilfe noch in den Drakensbergen fassen, ehe er die Ebene zu sehen bekommt. Er darf gar nicht seinen Fuß auf transvaalschen Boden setzen, er soll noch in Natal selbst, in den Bergen zwischen Newcastle und dem Hooge Veldt die Buern kennen lernen, falls er den Mut hat, weiter vorzurücken.«

»Das soll er, das soll er,« sagten die Buernführer. »Wir lassen ihn nicht auf transvaalschen Boden.«

»Ich will morgen eine starke Schar vorrücken lassen, welche die Pässe besetzt, die in unser Land führen,« fuhr der General von neuem fort. »Nur giebt es mehrere Wege von Newcastle aus durch das Gebirge. Die Engländer können über den Buffalo gehen und auf Wakkerstroom ziehen, aber sie können auch auf dem rechten Ufer des Buffalo bleiben und den nächsten Weg, den Fluß aufwärts, hierher kommen. Was sie nun thun, das müssen wir zu erfahren suchen, und einige flinke Burschen sollen sich dem Engländer an die Seite heften und genau beobachten, was er beginnt. Dann sollen sie uns beizeiten Meldung geben, damit wir ihm entgegengehen können.«

Der General blickte Pieter Maritz bei diesen Worten an, und der Buernsohn errötete vor Vergnügen.

»Pieter Maritz,« sagte General Joubert, »Sie kennen ja die Engländer gut, Sie sind mir der rechte Mann zu einem solchen Auftrage. Sie und noch ein Dutzend tüchtige Reiter sollen morgen früh aufbrechen und die Engländer suchen.«

Glücklich über den ehrenvollen Auftrag entfernte sich Pieter Maritz und stieg wieder zu Pferde, um die Männer seiner Gemeinde aufzusuchen, welche sich im Lager befanden. Er kam an der kleinen Kirche vorbei und sah, daß die Buern in großer Anzahl hineinströmten, um den Abendgottesdienst zu feiern. Sie gingen ernst und schweigend, und viele trugen ihre Bibeln unter dem Arme. Dann ritt er dem Lager zu. Es war ihm auffallend, wie sehr sich das Buernlager von den Lagern der Engländer unterschied, die er so oft durchritten und in denen er so manchen Tag und so manche Nacht verbracht hatte. Hier bei den Buern war kein fröhlicher Gesang, kein scherzendes Gespräch, kein Ausbruch militärischer Lustigkeit und militärischer Roheit. Hier wurde nicht geflucht, nicht getrunken und nicht gespielt, hier wurde nicht mit Marketenderinnen und andern Frauenzimmern aus den Kolonien Spaß getrieben. Überall herrschte Schweigen, oder die Buern waren in langsamem, ruhigem Gespräch beisammen. Die Äußerungen, welche Pieter Maritz auf seinem Wege vernahm, wenn er nahe bei den Gruppen der großen schweren Männer vorbeikam, waren von ganz andrer Art, als er bei den Engländern zu hören gewohnt war.