»Wir geben unser Ehrenwort,« sagten dann beide nach kurzer Überlegung.

Pieter Maritz nahm ihre Waffen in Empfang und blieb bei ihnen im Zimmer, während ebenso die Soldaten entwaffnet und bewacht wurden. Diesen und dem Unteroffizier schnitten die Buern, wie bei der Schildwache, Hosenträger und Hosenbunde durch. Pieter Maritz stellte draußen Posten auf und ließ schnell die Pferde heranführen, die noch draußen am Ufer des Incandu waren. Dann stieg er auf Jagers Rücken, seine Gefährten schwangen sich gleich ihm in den Sattel, und es ging auf der großen Straße nordwärts, zurück zum Buernheere.

Das gefangene Pikett marschierte zu Fuß vor den Buern her, und die Offiziere waren vor Ingrimm beinahe rasend, seitdem sie bemerkt hatten, daß sie von einer so kleinen Schar überrumpelt und überwältigt worden waren.

Aber General Joubert lachte vor Vergnügen, als er am Mittag des folgenden Tages Pieter Maritz mit seinen Gefangenen kommen sah. Er lag mit tausend Buern im Gebirge nördlich von Langes Nek.

[Neunundzwanzigstes Kapitel]
Der Kampf bei Langes Nek

General Joubert hatte zum Lagerplatz eine kleine Thalsenkung ausgesucht, welche von einem Bache durchflossen wurde, der zum Buffalo hinablief. Hier fanden die Ochsen und die Pferde reichliche Tränke. Den Mittelpunkt des Buernlagers bildeten die von ihren Bewohnern verlassenen Gebäude einer ausgedehnten Farm, und auf einem der Gebäude wehte die Genfer Flagge, das rote Kreuz im weißen Felde. Hier hatte auf Jouberts Anweisung ein deutscher Apotheker ein Lazarett eingerichtet, um den Männern, die in den bevorstehenden Kämpfen verwundet werden würden, Hilfe leisten zu können. Ringsum war das Thal mit den schweren Buernwagen angefüllt und weideten die Zugtiere auf den grünen Hängen. Von dem Lagerplatze aus war die Landstraße zu übersehen, welche von Newcastle aus durch das Gebirge nach dem Transvaallande führte. Jenseits der Straße erhob sich steil und schroff der Majubaberg, und die vorüberziehenden Wolken hängten sich oft an dessen stolzem Scheitel fest. Nach Süden hin schloß der Höhenzug den Horizont ab, durch welchen der Paß »Langes Nek,« von den Engländern Laings Nek genannt, führt. Dort war im Jahre 1859 ein Buer, Namens Hans von Lange, eines Mordes wegen von den Engländern gehängt worden, und seitdem hatte der Paß oder »Nek« den Namen jenes Buern behalten.

Auf den Höhen umher standen die Posten der Buern, kleine Reitertrupps, und beobachteten alle Winkel und Wege des Gebirges. Drunten waren größere Scharen in Bewegung zu sehen, und mit freudigem Stolz sah Pieter Maritz, wie kriegerisch seine Landsleute sich ausnahmen. Diese berittenen Buern sahen viel kampftüchtiger aus, als die englische Kavallerie. Hier war nicht das leichte, abenteuernde Volk, das die freiwilligen Reiterscharen im englischen Solde gebildet hatte, zu sehen. Nicht die verlorenen Söhne, die Armen, die Heimatlosen unter den Buern waren hier versammelt, sondern der Kern des Buernvolkes, die Grundbesitzer mit ihren Söhnen, hatten sich eingefunden. Sie waren schon in der Ferne durch die Schnelligkeit und Leichtigkeit ihrer Bewegungen auffallend, Roß und Reiter schienen zusammengewachsen zu sein und bildeten nur eine Figur. Nichts Schweres, Steifes oder Unbeholfenes war an diesen Reitern zu sehen, alles war behend, leicht, in Ebenmaß und Gleichgewicht. Und doch waren diese Männer, wenn er sie in der Nähe sah, so groß und stark, wahre Riesen im Vergleich mit den Engländern, die Pieter Maritz so viel gesehen hatte.