Die Offiziere und Leute von dem Pikett, welches Pieter Maritz gefangen genommen hatte, wurden nach Pretoria zurückgebracht, wo die Regierung war und wo auch General Smit, der alle Buerntruppen befehligte, sein Hauptquartier hatte. Nach und nach erst kamen aus den weit entfernten westlichen und nördlichen Landstrichen die Züge der Buern in dem südöstlichen Teile von Transvaal an, und nur ein Teil des Heeres war unter Jouberts Kommando in Natal eingebrochen. Auch gingen die Züge der Buern nur langsam von statten, denn sie kamen mit ihren Ochsenwagen. Aber stetig schwoll das Heer an, und Joubert meinte, daß wohl sechstausend Buern im ganzen zusammenkommen würden. Mit einer solchen Macht aber getrauten sich die Befehlshaber den Kampf selbst mit großen englischen Heeren aufzunehmen, die etwa heranrücken würden. Es ging die Rede im Buernlager, daß der General Roberts, der vor kurzem einen kühnen, viel bewunderten Marsch mit zehntausend Mann quer durch das ganze Afghanenland von Kabul bis Kandahar ausgeführt hatte, dazu bestimmt sei, nach Afrika zu gehen, und man wußte, daß viele englische Regimenter in Malta, London und Indien Befehl erhalten hatten, sich zur Fahrt nach dem Kap und Port Natal bereit zu machen. Die Buern hatten englische Zeitungen aufgefangen, worin sie über derartige militärische Vorbereitungen lasen.

Währenddessen beobachteten häufige Patrouillen, die vom Lager bei Langes Nek aus nach Süden ritten, das englische Heer in den Drakensbergen. General Colley war von Newcastle aufgebrochen und marschierte auf der Landstraße nordwärts, gerade auf Langes Nek zu.

Pieter Maritz hielt am Tage, nachdem das englische Heer Newcastle verlassen hatte, mit mehreren Landsleuten auf einer Höhe an der Straße, und sie betrachteten, selbst ungesehen, den Zug der Engländer. Die Buernpatrouillen waren langsam zurückgeritten, während die Engländer herankamen, und ließen sie nicht aus den Augen. Sie waren jetzt abgestiegen und bis an den Rand der Höhe vorgegangen. Drunten kamen zuerst einzelne Reiter in roten Uniformen, Dragoner von dem Regiment, bei welchem Lord Adolphus Fitzherbert stand. Dann folgte ein stärkerer Trupp Dragoner, und zugleich waren berittene Schützen und reitende Polizeibeamte von Natal zu bemerken, die seitwärts vom Wege an den Höhen hinritten. Dann kam General Colley selbst, von einigen Adjutanten und andern Offizieren des Stabes begleitet und von einer starken Dragonertruppe eskortiert. Der General und die Offiziere um ihn her hielten von Zeit zu Zeit ihre Pferde an und betrachteten durch ihre Feldstecher die umliegenden Höhen.

Die Buern droben stießen einander an und schüttelten die Köpfe. »Was will der Mann?« fragte einer, auf den General zeigend. »Was guckt er in die kleine Maschine?«

»Das ist eine Vergrößerungsbrille mit vier Gläsern,« sagte Pieter Maritz. »Damit suchen uns die Engländer.«

Nun kam ein langer Zug Infanterie, vier Glieder nebeneinander, das Gewehr auf der Schulter, mit Tornistern, Brotbeuteln und weißem Lederzeug über den roten Röcken. Der Klang ihrer Schritte war als schwaches Geräusch droben zu vernehmen. Dann folgten hundert Seeleute mit einem Gatlinggeschütz, das mit Maultieren bespannt war, dann zwei Raketengeschütze, dann viele Wagen mit Gepäck, von Natalbuern und Kaffern begleitet, dann wieder Infanterie und ein langer Zug Artillerie, vier leichte Berggeschütze und zwei Feldgeschütze mit sich führend, und endlich kamen noch Reiter.

Die Buern droben konnten alles so deutlich sehen, daß sie die Köpfe zu zählen vermochten. Es waren im ganzen 870 Mann Infanterie, einschließlich der Seeleute, und 170 Reiter, dazu die Artilleristen bei den acht Geschützen. Pieter Maritz erkannte sogar Lord Adolphus Fitzherbert selbst an dem Rappen, den der junge Offizier ritt. Als die Buern alles genau betrachtet hatten, stiegen sie wieder zu Pferde und ritten in derselben Richtung oben auf den Bergen, welche die Engländer unten im Thale verfolgten. Sie wollten dem General Joubert Meldung machen. Doch sahen sie nach einer Weile, daß die Engländer heute noch nicht auf das Buernheer stoßen würden. General Colley ließ eine Meile weit diesseits und südlich vom Buernlager Halt machen. Hier lag Hatleys Hotel, aus drei Häusern bestehend, am Wege, und der Platz mochte dem General günstig für ein Lager erscheinen. Denn der Weg führte hier über eine Höhe, welche das Terrain ringsum beherrschte, so daß kein überraschender Angriff zu besorgen war. Die Zelte wurden aufgeschlagen, Posten aufgestellt und Reiterpatrouillen zogen aus, um das umliegende Land zu durchsuchen.

General Joubert strich sich mit grimmigem Lächeln den Bart, als er hörte, was die Engländer thaten, und ritt in Begleitung mehrerer Führer noch am Nachmittage desselben Tages hinaus, um die Stellung des Feindes anzusehen. Pieter Maritz war unter seinem Gefolge.

»Er wird dort nicht bleiben wollen,« sagte Joubert, nachdem er von dem Hange des Inkweloberges aus das Lager betrachtet hatte. »Er wird weiter vorrücken, wenn wir uns jetzt still halten. Kommt er dann von seiner Höhe herunter und steckt in Langes Nek, so fallen wir von oben über ihn her.«

General Joubert ließ das englische Lager beobachten und hieß seine Buern sich zum Kampfe bereit halten. Nur etwa eine deutsche Meile weit waren beide feindliche Lager voneinander entfernt.