Dann wandte er sich zu seinen Begleitern. »Liebe Freunde,« sagte er, »einige von euch könnten hinaufreiten und unsern Leuten Bescheid bringen, daß Waffenstillstand ist. Sie könnten sich auch zugleich erkundigen, ob wir Verwundete haben, und könnten sie nach dem Lager zurücktragen.«

Vier von den Buern sprengten alsbald davon und jagten querfeldein den Bergen zu, General Colley aber sagte mit bitterem Lachen: »Es mag eine geschickte Art sein, Ihre Verluste zu verbergen, Herr Joubert, aber Sie werden mir nicht einreden wollen, daß Ihre Leute, obwohl gut im Hinterhalt versteckt, ohne zahlreiche Tote und Verwundete wären. Und ich möchte diese Gelegenheit des persönlichen Zusammentreffens mit Ihnen, Herr Joubert, dazu benutzen, um noch einmal zu wiederholen, was ich schon vor fünf Tagen in meinem an Sie gerichteten Ultimatum aussprach: Legen Sie die Waffen nieder, schicken Sie die verblendeten Leute, welche nicht wissen, was sie thun, sofort nach Hause! Obwohl Blut vergossen ist, will ich meinen ganzen Einfluß bei Ihrer Majestät der Königin aufwenden, um Verzeihung des Aufstandes zu erwirken, wenn alle Insurgenten auf der Stelle auseinander gehen.«

General Joubert faßte in seine Brusttasche und zog ein Schriftstück hervor.

»Herr Gouverneur,« sagte er, »ich habe Ihr Ultimatum vom 23. dieses Monats richtig empfangen und habe es der Regierung in Pretoria zugeschickt. Heute morgen habe ich die Antwort darauf empfangen, und hiermit übergebe ich sie in Ihre eigenen Hände.«

General Colley ergriff das Papier, öffnete es und las. Seine Miene verfinsterte sich.

»Die sogenannte Regierung der Südafrikanischen Republik entgegnet mir hier,« sagte er, »daß sie völlig bereit sei, den Wünschen der Regierung entgegenzukommen, vorausgesetzt, daß die Annexion von Transvaal rückgängig gemacht werde. — Was wollt ihr Buern?« rief er dann heftig. »So besteht ihr also auf euerm eisernen Kopfe und rennt in euer Verderben? Hier wird geschrieben, ihr wünschtet ein Bündnis mit England und wolltet das englische Protektorat anerkennen. Ihr wolltet zum Zeichen dieses Protektorats einmal im Jahre die britische Flagge aufziehen und dann wieder niederlassen. Wie könnt ihr denken, daß wir ein Bündnis mit euch eingehen können — ein großes Reich mit einer Handvoll Bauern? Es giebt nur eine Bedingung für euch Buern: Legt die Waffen nieder und zerstreut euch, ein jeder in seine Farm, sonst kann euch keine Verzeihung werden.«

»Wir wollen keine Verzeihung,« sagte Joubert ernst und fest, »und solange ihr uns Insurgenten nennt, werden wir jede Vermittelung zurückweisen. Wir haben eine gerechte Sache, und im Vertrauen darauf wollen wir nicht weichen. Sie haben heute schon gesehen, Herr Gouverneur, daß wir Buern unser Leben einzusetzen wissen, bedenken Sie die Folgen, wenn Sie fortfahren, uns ungerecht zu begegnen.«

»Hartnäckiger Mann!« rief General Colley, »bedenken Sie und die andern Leute an der Spitze des Aufstandes denn nicht, daß dieser Kampf ein vergeblicher ist? Bedenken Sie nicht das Blut und den wirtschaftlichen Ruin der unschuldigen braven Familienväter, die von ihrem Herde weggelockt werden, um einen aussichtslosen Krieg zu führen? Können Sie sich einbilden, imstande zu sein, uns Widerstand zu leisten? Binnen sechs Wochen kann ein englisches Heer hier sein, das mehr Mannschaften zählt, als euer ganzes Land an männlicher Bevölkerung hat.«

»Nun denn,« sagte Joubert mit starker Stimme, »dies Heer möge kommen! Wir unterwerfen uns dem Geschick und der allmächtigen Hand des gerechten Gottes, der das Schicksal der Völker lenkt.«

»Amen!« riefen die Buern um ihn her.