In diesem Augenblick zog eine eigentümliche Erscheinung die Blicke des englischen Generals und aller Krieger in dessen Nähe auf sich. Ein Zug von Buern, die zu Fuße gingen, kam seitwärts von der Höhe herab, und diese Männer trugen englische Verwundete. Einige hatten zu zweien angefaßt, so daß der eine die Schultern und den Kopf, der andere die Beine in den Armen hielt, und sie gingen behutsam über die Steine und das Gestrüpp weg der Straße zu. Aber andere trugen je einer ihren Mann. Diese hohen starken Gestalten hatten die Büchse und den schweren Patronengurt über den Schultern hängen, und dazu hatten sie, wie Wärterinnen Kinder tragen, Soldaten vor sich in den Armen. Der englische Befehlshaber konnte sich der Rührung nicht erwehren und murmelte Worte des Dankes und der Anerkennung, während er zugleich in Beschämung und Grimm vor sich nieder sah. Immer mehr füllte sich die Straße. Während von der Seite der englischen Truppen her Ärzte an der Spitze von Kommandos kamen, welche die Verwundeten aufsuchen sollten, begegneten ihnen die Buern. Sie stiegen von allen Seiten von den Bergen herunter und rafften, indem sie über die Kampfstätte hinstreiften, diejenigen Soldaten auf, in denen sie noch Leben fanden. Sie erquickten sie, leisteten ihnen Beistand und trugen sie zu den Ärzten und zu den Krankenwagen. General Colley sah der Scene stumm und in augenscheinlicher Verwirrung zu. Pieter Maritz bemerkte, daß er mit Verwunderung die Buern ansah, die ihn umgaben, und daß nicht allein der Beweis des guten, frommen, christlichen Sinnes dieser Leute ihn lebhaft berührte, sondern daß auch der Unterschied zwischen der Erscheinung der Buern und der seiner eigenen Soldaten ihm auffällig war. Der General sah staunend die Gestalten an, neben denen die rotröckigen Soldaten nur halbwüchsige Knaben zu sein schienen.
Die Boten, welche Joubert ausgesandt hatte, um den Waffenstillstand zu verkündigen, waren zurückgekehrt. Sie hatten sich der Weisung ihres Befehlshabers gemäß erkundigt, ob viele Tote und Verwundete auf seiten der Buern wären, und sie brachten die Meldung, daß zwölf Tote und zwanzig Verwundete gezählt worden seien. Die letzteren seien bereits auf dem Wege nach dem Buernlager.
Als General Colley diese Zahl vernahm, ward seine Miene noch düsterer, als sie schon gewesen war. Auch er hatte seine Verluste zählen lassen. Außer dem Oberst Deane waren an Offizieren gefallen: Major Ruscombe Poole von der Artillerie, der Leutnant Elwes, Adjutant des Generals Colley, dann Major Hingeston und die Leutnants Dolphin und Baillie vom 58. Regiment. Mehrere andere Offiziere waren verwundet, und von Unteroffizieren und Leuten waren 169 tot und verwundet.
Bis zum Abend dauerte das traurige Geschäft der Beerdigung der Toten und die Fortschaffung der Verwundeten; denn die Leute lagen weit verstreut, und es erforderte viel Zeit, den Verband anzulegen, da ärztliche Hilfe und chirurgische Werkzeuge und Mittel nur in beschränktem Maße vorhanden waren. Die Buern zogen sich, nachdem sie den ersten Beistand geleistet hatten, in ihre Stellungen zurück und erwarteten die ferneren Schritte des englischen Heeres. Aber General Colley hatte heute genug vom Feinde gesehen, um keinen neuen Angriff zu wagen. Er zog sich noch an diesem Abend zurück.
Buernpatrouillen folgten seiner Nachhut, und Pieter Maritz sah beim Licht der untergehenden Sonne, daß der britische Befehlshaber das befestigte Lager bei Hatleys Hotel von neuem bezog. Noch in der Dunkelheit mußten die Soldaten an den Erdwällen arbeiten, die das Lager umgaben, und finstere Niedergeschlagenheit lastete auf dem kleinen Heere nach der Niederlage bei Langes Nek.
[Dreißigstes Kapitel]
Der Kampf bei Schains Hoogte
Auf dem größten Gebäude von Hatleys Hotel wehte die britische Fahne, und auf den Wällen des Lagers standen die Schildwachen in ihren roten Röcken, das Gewehr im Arme, und spähten nach dem Feinde aus, der ringsum in den Bergen saß und jeden Augenblick mit seinen furchtbaren Büchsen den Angriff eröffnen konnte.