Ein Buerntrupp stand im Osten auf der Höhe zwischen dem englischen Lager und dem Buffalofluß, und einige Reiter waren vorwärts geritten, um in der Entfernung von etwa einem Büchsenschuß die Engländer zu beobachten. Diese Reiter waren Pieter Maritz und sein Oheim Klaas Buurman, und soeben hatte sich der alte Baas van der Goot zu ihnen gesellt, der den Trupp befehligte. Es war früh am Morgen, einige Tage nachdem General Colley den Angriff auf die Buern bei Langes Nek aufgegeben hatte, um sich in seine feste Stellung zurückzuziehen. Schwerer Nebel trieb in den Drakensbergen umher, hängte sich nun an den Höhen fest, wallte dann durch die Thäler und wurde zeitweise vom Winde zerrissen, so daß sich die Linien des Gebirges und die Umrisse des englischen Lagers durch den Nebelschleier hindurch deutlich zeigten.
Baas van der Goot nahm die Pfeife aus dem Munde, als er zu dem Reiterposten herangekommen war, und zeigte auf das Lager, welches sich in diesem Augenblicke genau erkennen ließ.
»Ob er noch lange dort bleiben wird?« fragte der Baas. »Es sieht nicht so aus, als ob er aufbrechen wollte.«
»Sie arbeiten immer noch an den Wällen,« antwortete Klaas Buurman, »und sie haben ihre Kanonen so aufgestellt, daß sie die Straße beschießen können.«
»Der Engländer hat sich dort keinen schlechten Platz ausgesucht,« bemerkte Baas van der Goot. »Wir wollen uns hüten, ihn dort anzugreifen. Das könnte manchem Manne das Leben kosten, wenn wir gegen die Wälle anlaufen wollten. Überall ist der Boden frei, und das Lager liegt hoch; es wäre eine schlechte Sache, ihn dort anzugreifen. — Nein, nein,« fuhr der alte Mann kopfschüttelnd fort, »angreifen wollen wir ihn dort nicht, aber ich denke, wenn er nichts mehr zu essen hat und wenn er nicht mehr weiß, was in Newcastle passiert, dann wird er wohl herauskommen.«
Während er noch sprach, war aus der Ferne ein Schall wie von einem Büchsenschusse zu vernehmen, bald folgte noch ein solcher Schall, und dann klangen mehrere entfernte Schüsse auf einmal. Die Buern wandten ihre Blicke nach Süden hin, woher der Lärm kam, aber von hier aus war nichts zu sehen. Aber nach einer halben Stunde, während die Männer auf dem Posten sich noch besprachen und Vermutungen über die Ursache des Schießens austauschten, kamen zwei Reiter eilig den Berg von der Seite herauf und näherten sich dem Baas van der Goot. Es waren Leute, die zu dem Trupp gehörten, der auf dieser Seite Wache hielt. Sie erzählten, daß sie mit noch mehreren Freunden eine Patrouille aufgefangen hätten, die von Newcastle heraufgekommen sei, und sie brachten ein Schreiben, welches sie dem Führer der Patrouille abgenommen hatten.
Baas van der Goot machte das Schreiben auf und reichte es Pieter Maritz. »Sag mir, was darin steht, Neffe,« befahl er, »du verstehst ja die Sprache und die Schrift der Amalekiter.«
»Dies ist ein Brief vom General Sir Evelyn Wood aus Natal,« sagte Pieter Maritz. »Er ist an General Colley gerichtet und teilt diesem mit, daß er hoffe, ihm bis zum 20. Februar mit dem 2. Bataillon des 60. Regiments, mit dem 82., 92. und 97. Regiment, sowie mit dem 15. Husarenregiment und einer Batterie Feldartillerie zu Hilfe kommen zu können. Außerdem seien noch die Inniskilling-Dragoner, eine andere Feldbatterie und berittene Infanterie im Anzuge, doch sei nicht bestimmt zu sagen, wann diese verfügbar werden würden.«
»Ei, ei,« sagte Baas van der Goot, »das sind ja viele Soldaten, die die Frau Königin aufgeboten hat! Geh, mein Junge, bringe diesen Brief nach unserm Lager und gieb ihn dem Baas Joubert. Der wird am besten wissen, was er damit zu thun hat.«
Pieter Maritz wandte alsbald sein Pferd und ritt nordwärts davon. Er ließ Jager eine tiefe Schlucht hinabklettern, einen kleinen Fluß durchschreiten und dann die Höhen hinaufsteigen, wo am 28. Januar die Engländer ihre Angriffe auf die sie umringenden Buern gemacht hatten. Nach einem Ritt von einer halben Stunde erreichte er das Buernlager bei Langes Nek und suchte den Befehlshaber auf. Es war sehr lebhaft im Lager, denn bis auf die Wachen um die englische Stellung herum waren alle Buern wieder zu ihren Ochsenwagen zurückgekehrt. Pieter Maritz hörte, daß Joubert sich nach dem Lazarett begeben habe, und ritt dorthin, wo die Genfer Flagge wehte. Dort stand ein Wohnhaus, aus gebrannten Ziegeln aufgeführt und mit Wellblech gedeckt, dessen Fenster mit Segeltuch in Ermangelung der Glasscheiben versehen waren, und nebenan ein geräumiges Lagerhaus. Pieter Maritz stieg ab, gab Jager einem Kaffer zu halten und ging hinein. Er fand den General im Gespräch mit dem deutschen Missionar Herrn A. Merensky, von dem Pieter Maritz schon vernommen hatte, daß er in aufopfernder Weise dem Rufe der Buern gefolgt sei, um seine ärztliche und chirurgische Kunst als Chefarzt im Buernlager auszuüben, und daß er fast ohne alle Hilfe, nur von seinem treuen Diener, dem Kaffern Jan Maputle unterstützt, die schwierigsten Operationen an den Verwundeten glücklich vollbracht habe.