Joubert verließ mit Pieter Maritz zusammen das Lazarett und las den Brief des Generals Wood. Dann ging er zu seinem Quartier und ließ einige der bewährtesten Führer zusammenrufen.

»Liebe Freunde,« sagte er, nachdem er den Inhalt des Briefes mitgeteilt hatte, »meine Meinung ist, daß wir nicht leiden dürfen, daß General Wood heranmarschiert. Wir wollen eine starke Abteilung ausschicken, die südwärts und an Newcastle vorbei geht, damit sie die Engländer schon aufhalten kann, wenn sie von Ladysmith heraufkommen. Dort am Biggarsberge haben sie die beste Stellung, um den General Wood festzuhalten, wie wir an Langes Nek den General Colley. Aber außerdem wollen wir den Weg zwischen Newcastle und Hatleys Hotel mit einer starken Abteilung besetzen, damit General Colley weder rückwärts noch vorwärts kann.«

Die Führer nickten und stimmten dem General zu.

Der Morgen des folgenden Tages brach trübe und nebelig an. In der Nacht hatte es in den Drakensbergen geregnet, und wenn die Sonne durchblickte, ließen ihre heißen Strahlen aus den nassen Wiesen und Wäldern den Dampf aufsteigen. Doch kam die Sonne nur selten durch, Höhen und Thäler waren verschleiert, und der Blick konnte nur auf kurze Entfernungen die Gegenstände erkennen.

Eine lang gezogene Reiterschar zog über das Gebirge hin, das sich im Süden von Hatleys Hotel erhob. Es waren lauter große starke Männer, dreihundert an Zahl, auf kräftigen, an Strapazen aller Art gewöhnten Pferden, und obwohl ihnen der Glanz und die Ordnung regulärer Kavallerie abging, sahen sie sehr kriegerisch aus. Sie ritten zu zweien oder auch wohl zu dreien hintereinander, alle trugen die Büchse auf dem Rücken und den Patronengurt über der Brust. Sie vermieden die steilen Höhen und ritten an den Bergen hin, wo diese sich sanfter zu der Landstraße hinabneigten; doch blieben sie noch weit genug von dieser Straße selbst entfernt, um von dort aus nicht bemerkt werden zu können. Zweimal kamen sie an ein Wasser, welches im Thale floß und ihren Weg durchkreuzte, aber die vorausgesandten Leute erkundeten Furten, und die Reiter zogen durch das Wasser hindurch, das an einigen Stellen nur die Hufe der Pferde bis zu den Sprunggelenken bespülte, an andern Stellen bis an die Steigbügel ging. Sie ritten still und schweigsam dahin, nur langsam und bedächtig war die Unterredung, welche hier und da einzelne miteinander führten. Am Saume eines Waldes von schirmförmigen Mimosen machte der Zug Halt, die Reiter stiegen ab und lagerten sich, nachdem sie die Pferde der Obhut einzelner Wachen übergeben hatten, unter den Bäumen, um zu frühstücken. Sie zogen Maiskuchen und getrocknetes Fleisch aus ihren Taschen oder Brotbeuteln und tranken dazu aus ihren Feldflaschen.

In einer Gruppe dieser Männer saß Baas van der Goot mit den Verwandten und Freunden aus seiner Gemeinde, unter denen auch Pieter Maritz war, und der alte Mann besprach mit ihnen die militärische Lage. »Seht, ihr Leute,« sagte er, »wir sind hier gerade an einem guten Platze, und Joubert selbst könnte ihn nicht besser ausgesucht haben. Dort unten ist die Straße, und kein Engländer kann sie passieren, wenn wir es nicht leiden wollen. Hier sind wir gerade in der Mitte zwischen Newcastle und Hatleys Hotel, dort unten liegt Schains Hoogte, und ich wüßte nicht, wie jemand ohne unsere Erlaubnis von einem Punkte zum andern kommen wollte, es wäre denn, daß er Flügel hätte. Nur gefällt mir der Nebel nicht, wir können nicht genau sehen, was drüben vorfällt« — er zeigte dabei auf die Berghänge auf der andern Thalseite —, »und es wäre gut, wenn eine kleine Abteilung von uns ausritte, um die Gegend im Auge zu behalten, die man von hier nicht erkennen kann.«

»Baas van der Goot,« sagte Pieter Maritz, »dort unten kommt ein Mann von den Unserigen herauf.«

Die Buern blickten in der Richtung, welche Pieter Maritz mit ausgestrecktem Arme bezeichnete, und sahen einen einzelnen Reiter, den sie erst jetzt bemerkten, in schnellem Rosseslaufe herankommen. Er näherte sich von jenseits des Thales und schien den lagernden Buerntrupp noch nicht entdeckt zu haben, denn er verfolgte einen Weg, der nordwärts führte.

Baas van der Goot ließ einen schrillen Pfiff ertönen und winkte dann, indem er sich vom Boden erhob. Der Reiter hielt, sah sich um und lenkte alsdann auf den Buerntrupp zu.

»Was giebt es?« rief ihm Baas van der Goot entgegen.