Das Lager begann sich unter dem weckenden Tageslicht aus dem Schlummer zu erheben, einzelne Buern gingen umher und sahen nach ihren Pferden, die Kaffern waren auf den Beinen, um ihren Pflichten nachzugehen, für die Herren das Frühstück zu bereiten und für das Vieh zu sorgen, aber sonst herrschte tiefer Frieden, und keine Ahnung von dem bedrohlichen Unternehmen der Engländer trübte die Ruhe der Buern. Zwischen den weitläufig stehenden großen Wagen erhoben sich viele Zelte und Schirmdächer, welche die Buern aus den Verdecken ihrer Wagen hergestellt hatten, und in der Nähe dieser Lagerstätten wurden Feuer angezündet. Pieter Maritz ritt zu dem Zelte des Generals Joubert und wollte soeben absteigen, um hineinzugehen und den Befehlshaber zu wecken, als der wachsame Feldherr selbst mit dem Fernrohr unter dem Arme draußen erschien, um seiner Gewohnheit nach in der ersten Frühe des Morgens Umschau zu halten. Er war höchst erstaunt, einen Dragoner vor sich zu sehen, und er lachte laut, als er Pieter Maritz erkannte, der mit einem Gesicht, das vor Eifer glühte, auf schweißbedecktem Gaule, in roter Uniform und mit dem weißen Helm auf dem Kopfe vor ihm hielt. Doch er wurde ernst, als Pieter Maritz ihm Meldung machte, weshalb er in diesem verwunderlichen Anzuge hier sei und was General Colley ausgeführt habe.
»Mein junger Freund,« sagte er, »Sie haben sich den Dank des Vaterlandes verdient.«
Er reichte Pieter Maritz die Hand und sah ihm mit einem Blicke ins Auge, dessen beglückender Eindruck für immer in des tapferen Buernsohnes Herzen zurückblieb.
»Also die Engländer sind auf dem Majuba!« sagte er dann und richtete sein Fernrohr auf den flachen Gipfel des Berges, der jetzt im hellen Licht der Sonne seine mächtigen Formen über den niedrigen Höhen des Gebirges zeigte. »Das hat General Colley sich fein ausgedacht,« setzte er hinzu, »aber ich denke, wir wollen ihn dort oben so fassen, daß er schneller herunterkommt, als er hinaufgekommen ist.«
Sorgfältig beobachtete er die Gestalt des Berges, und Pieter Maritz neben ihm ließ seine hellen scharfen Augen ebenfalls auf den Hängen dieser natürlichen Burg prüfend verweilen. Der Berg lag wie eine hohe Festung da, und seine hochragende Form schien eine drohende Gestalt anzunehmen. Deutlich und klar zeichnete sich sein Umriß von dem blauen Himmel ab, und die helle Beleuchtung gestattete selbst eine genaue Beobachtung der Gestaltung seines Hanges. Graublau lag der kahle Gipfel da, doch zogen sich dunkle Furchen den Hang herab, welche Einsenkungen waren, und viele tiefdunkle Stellen bezeichneten Schluchten und Löcher in dem steilen Kegel. Die Entfernung von dem Platze, wo General Joubert und Pieter Maritz standen, bis zu dem abgeplatteten Gipfel, den General Colley besetzen wollte, war weiter, als daß eine Büchsenkugel sie hätte durchmessen können, doch hätte die Kugel aus einem Feldgeschütz wohl so weit getragen.
»Jetzt sehe ich die Engländer,« sagte der General plötzlich, nachdem er lange durch sein Glas geblickt hatte, »sie sind in diesem Augenblicke bis an den Rand vorgegangen.«
»Ich sehe sie auch,« sagte Pieter Maritz, der auch ohne Fernrohr das Blitzen der Waffen und den Glanz der roten Röcke auf dem Gipfel zu bemerken imstande war.
Einige Minuten lang betrachteten beide das merkwürdige Schauspiel, eine lange Reihe von Gestalten, die ungemein winzig aussahen, dort oben auf dem hohen Berge am Rande des Gipfels sich aufstellen zu sehen, da erschien ein kleines helles Wölkchen in jener Reihe, dann noch eines und noch eines, und drei Schüsse hallten mit schwachem Tone lange nachher zu ihnen herüber.
Joubert schob sein Fernrohr zusammen. »Sie wollen zeigen daß sie da sind,« sagte er. »Ich werde den Kriegsrat versammeln, und wir werden beraten, was zu thun ist. Gehen Sie, Pieter Maritz, und ruhen Sie sich aus. Wir haben Zeit. Unsere Leute sollen in Ruhe frühstücken. Die dort oben laufen uns nicht weg.«
Pieter Maritz ritt an den Wagen, in welchem er und Lord Fitzherbert zu schlafen pflegten, und beim Geräusch seines Herankommens erwachte der Freund und blickte aus dem Zeltleinen hervor, womit der Wagen überspannt war. Er rieb sich die Augen, als er den Buernsohn erblickte.