»Was, zum Henker, Pieter Maritz,« fragte er, »treibst du da für eine Maskerade?«
»Heute sollst du sehen, daß wir Buern auch angreifen können,« entgegnete dieser. »General Colley ist mit mehr als vierhundert Mann auf der Spitze des Majuba dort drüben.«
Lord Fitzherbert staunte, und als ihm Pieter Maritz nun erzählte, was sich zugetragen hatte, da blickte er voll Besorgnis nach dem hohen Berge, aber betrachtete doch mit Bewunderung den kühnen Freund.
»O Pieter Maritz,« sagte er, »ihr Buern seid schreckliche Leute, und ich merke, Englands Stern geht unter.«
Trübselig saß er da, in die wollene Decke gehüllt, mit welcher er sich gegen die Kühle der Nacht verwahrt hatte, und erst nach längerem Zureden entschloß er sich, aufzustehen und an dem Frühstück teilzunehmen, das der Buernsohn am Feuer bereiten ließ.
»Welch ein Soldat bist du geworden, Pieter Maritz!« sagte er. »Was für einen Kavallerieoffizier würdest du abgeben! O, wärst du doch bei uns im Dienst der Königin! Du würdest zu etwas Großem kommen, du würdest ein berühmter General.«
Pieter Maritz lachte und schüttelte den Kopf. Er saß in der Dragoneruniform am Feuer und sein Freund neben ihm in einem Buernrocke, den Pieter Maritz ihm zu seiner Bequemlichkeit während seiner Gefangenschaft gegeben hatte. So hatten die Freunde gleichsam die Rollen vertauscht, und sie saßen wie Brüder beisammen und genossen gemeinsam ihren Kaffee und Maisbrei.
Währenddessen wurde es im Lager lebendig, die Buern erfuhren die Nachricht von der Nähe des Feindes und rüsteten sich zum Kampfe. Nun kamen auch die Posten zurück, welche dem englischen Lager von Mount Prospect gegenübergestanden hatten und abgelöst worden waren. Jakobus brachte Jager am Zügel und ebenso Pieter Maritz' Anzug und Waffen, nachdem er den gefangenen Dragoner überliefert hatte. Pieter Maritz warf die rote Uniform ab und zog die Bluse an, streichelte den treuen Jager und gürtete und rüstete sich. Die Sonne stand hoch am Himmel, es war gegen neun Uhr morgens und der Angriff auf den Majuba sollte beginnen.
Jetzt versammelten sich die behenden Reiterscharen der Buern am Saume des Lagers, Pieter Maritz winkte seinem Freunde zum Abschied und eilte zu den Männern seiner Gemeinde. Eine Schar von zweihundert Kämpfern kam unter Jouberts Befehl dem nordöstlichen Hange des Majuba gegenüber zusammen, um den Sturm zu unternehmen, während andere Abteilungen bereit standen, etwaigen Angriffen der unten gebliebenen englischen Truppen zu begegnen. Zweihundert Mann der Ihrigen hielten die trotzigen starken Buern für genügend, um den an Anzahl mehr als doppelt überlegenen Feind in seiner hohen Stellung anzugreifen.
Der Majuba lag schweigend in seiner imposanten Größe da, kein Laut schallte vom Feinde herüber, kein Gewehr war drüben mehr abgefeuert worden seit den drei Schüssen, welche gleichsam das Signal der vollzogenen Besetzung des flachen Gipfels gegeben hatten. Pieter Maritz sah jetzt im Näherkommen die Bildung und Beschaffenheit des steilen Berges beim hellen Sonnenlicht sehr deutlich vor sich und konnte bis obenhin die Felsblöcke, Schluchten und Büsche des Hanges unterscheiden. General Joubert hatte die günstigste Stelle zum Ansturm ausgesucht, und Pieter Maritz mußte an die warnenden Worte des Befehlshabers der Bergschotten zurückdenken, der dem General Colley Vorstellungen gemacht hatte. Denn in der That bot der Berg den Buern, welche ihn erstürmen wollten, viele günstige Gelegenheiten, sich in guter Deckung Schritt vor Schritt hinaufzukämpfen.