Am Fuße des Berges und noch außer Zielweite hielt die Schar an, und die Buern stiegen von den Pferden. Der Gipfel lag steil und drohend über ihnen, zweitausend Fuß höher als der Platz, wo sie ihre Pferde in Obhut zurückließen. Doch mußten die Engländer dort oben sie wohl wahrgenommen haben, denn jetzt knallten mehrere Schüsse, und Kugeln pfiffen hoch über die Köpfe der Buern weg. Alsbald ging ein Haufe in weit zerstreuter Ordnung vor, und andere kleinere Haufen folgten diesen Schützen unter vorsichtiger Benutzung der Vorsprünge des Bodens. Pieter Maritz war unter den vordersten Männern. Er hatte den Degen an Jagers Sattel gehängt und war nur mit Büchse und Messer gleich den Gefährten bewaffnet, um sich zu Fuße am Berge leichter bewegen zu können. Gleich Jägern, die ein schlaues Wild beschleichen wollen, gingen die Buern vorwärts, und keiner war unter ihnen, der nicht hundert- und tausendfach das Wild im Laufe und im Sprunge erlegt hätte. Eine gefährliche Schützenschar war es, die General Colley sich auf den Hals gezogen hatte.

Pieter Maritz sah eine Schlucht vor sich, die etwas schräg nach rechts und aufwärts lief und deren oberer Rand vollkommenen Schutz gegen Schüsse von oben bieten mußte. Er klimmte dorthin und mehrere Gefährten folgten ihm. Der Berg war an dieser, dem Buernlager zugewandten Seite viel leichter zu ersteigen, als an derjenigen, wo nachts vorher die Engländer hinaufgeklettert waren. Er war weniger steil und nicht so rauh von treppenartig geschichteten Felsblöcken. Immerhin war er sehr steil, und es bedurfte geübter starker Kniee, um an diesem Hange aufwärts zu kommen.

Die Schlucht, in welcher Pieter Maritz emporstieg, brachte ihn ein gut Stück empor und er ging hier ganz sicher, während droben Schuß nach Schuß fiel und es wohl zu merken war, daß die Engländer etwas von dem drohenden Feinde gesehen hatten. Mehrfach pfiff eine Kugel über die Schlucht hin, aber dieser Ton beflügelte nur die Schritte der Emporsteigenden. Vorsichtig hielt Pieter Maritz an, als er den oberen Ausläufer der Einsenkung erreichte, und blickte verstohlen nach oben hin. Er sah den Feind. Etwa tausend Fuß noch über sich erblickte er mehrere Helme über einer Steinwand, die einer Brüstung ähnlich den platten Gipfel auf dieser Seite einfaßte, und sein scharfes Auge erkannte, als einer der dort liegenden Engländer sich erhob, um hinunterzusehen, die Uniform eines Offiziers der Hochländer. Pieter Maritz erhob die Büchse, legte sie auf den Rand des oberen Hanges der Schlucht, zielte und schoß. Das Echo der tiefer liegenden Berge gab den Knall der Büchse wieder, es war der erste Schuß, der auf seiten der Buern an diesem Tage fiel, und der Offizier der Hochländer stürzte zusammen. Für eine Minute schwieg das Feuer dort oben an der Stelle, wo die Schotten lagen, und der Fall des Offiziers schien Bestürzung und Verwirrung unter ihnen erregt zu haben, dann aber vermehrte sich die Zahl der Kugeln, die herunterpfiffen. Wütend suchten die Schützen auf dem Gipfel nach dem unsichtbaren Feinde. Aber indem sie schossen, zeigten sich ihre Helme und Gesichter über dem Rande, und die Buern unten fanden Ziele für ihre Büchsen. Schuß nach Schuß krachte aus der Schlucht empor, und mit tödlicher Sicherheit trafen die Kugeln. Die weißen Helme zeichneten sich deutlich am Himmel ab, und die Buern vergeudeten ihr Pulver nicht. Ein Helm nach dem andern verschwand, durch den Kopf geschossen fielen die Schotten nieder, und bald verstummte das Feuer in der Höhe.

Links und rechts von Pieter Maritz waren jetzt die breiten Hüte erschienen, und eine lange, dünne Kette von Schützen setzte sich an dem Hange fest. Diese Kette dehnte sich immer weiter aus und umfaßte den hohen Gipfel von Osten und von Norden. Die Buern lagen hinter Felsblöcken und unter stachligen Büschen, wie die steinige kahle Bergwand sie vereinzelt trug. Kletternd wie Gemsen, eng an die Wand geschmiegt wie Schlangen, kamen sie schrittweise vorwärts. Sie sprangen von Stein zu Stein, sich rasch erhebend und geduckt laufend, um dann schnell hinter einer neuen Deckung zusammenzukauern. Ihre braunen Gesichter glühten von der Hitze und der Anstrengung des Steigens, ihre Augen funkelten vor Kampflust. Diese starken Männer, an die Beschwerden und alle Kunstgriffe der Jagd gewöhnt, setzten ihre ganze Kraft und Geschicklichkeit daran, dem verhaßten Feinde näher zu kommen. Diese langsamen bedächtigen Naturen waren im Eifer des Kletterns und des Kampfes warm geworden, und ihre gewaltige nachhaltige Kraft zeigte sich furchtbar in diesem Sturme.

Eine schwere Aufgabe war es, diesen Berg im feindlichen Feuer hinanzuklimmen, und nicht ganz mit Unrecht hatte General Colley es für unmöglich gehalten, ihn zu erstürmen. Dennoch brachten die Buern es fertig. Der englische General hatte seine Gegner noch nicht recht gewürdigt, obwohl er zweimal schon in heißem Kampfe zu seinem Schaden erfahren hatte, welche Krieger er sich gegenüber hatte. Im Pulverdampf des Majuba zeigten sich diese Männer erst in ihrer vollen Kriegstüchtigkeit. Mit einem Hagel von Kugeln überschüttet, einer an Zahl weit überlegenen Macht gegenüber, einen fast senkrecht ansteigenden Berg hinan, gingen sie zum Siege vor. Unaufhaltsam war ihr Angriff. Sie hingen am Berge fest, wenn sie hinter Felsblöcken lagen, als ob sie selbst ein Teil von dessen steinerner Bekleidung wären, und sie sprangen vorwärts, wenn sie eine neue Deckung erreichen wollten, als ob sie Flügel hätten. Zehntausende von Kugeln waren schon von oben gegen sie ausgesandt, stundenlang hatte schon das Gefecht gedauert, und noch hatten die Buern keinen Mann verloren.

Pieter Maritz war inmitten einer Gruppe von einem Dutzend Buern in der vordersten Linie. Sie hatten eine neue Schlucht gefunden, in welcher sie, nur noch fünfhundert Schritt vom Rande des Gipfels entfernt, in vollständiger Deckung lagen und nach den feindlichen Schützen feuerten. Auch die Feinde gegenüber waren in guter Deckung hinter schweren Felsblöcken, doch durften sie kaum wagen, ihre Köpfe zu zeigen. Wo ein Helm oder ein Stückchen rotes Tuch hervorblickte, da pfiff das Blei aus einer Buernbüchse heran. Wohl trafen nicht alle Kugeln der Buern, aber die Ränder der Felsblöcke dort oben wurden scharf gezeichnet. Es war den Soldaten der Königin auch von fern anzumerken, daß sie in Schrecken waren. Nur sehr behutsam streckten sie ihre Gewehre hervor.

»Könnten wir den Rand erreichen,« sagte Pieter Maritz zu seinen Kriegsgefährten, »so hätten wir den Sieg. Dann bestrichen wir das ganze flache Feld des Gipfels, und wenige sollten davonkommen.«

Indem er so sprach, bemerkte er eine Bewegung beim Feinde. Die Engländer fühlten sich wohl wie gebunden und eingeschlossen, sie machten einen Versuch, ihre Stellung zu ändern. Pieter Maritz sah eine Abteilung sich gleichsam vom Gipfel loslösen und seitwärts gehen, und er erkannte die blauen Jacken der Seeleute neben den Rotröcken. Jene Abteilung lief eilig nach einem einzelnen Felskegel hin, der etwas unterhalb des eigentlichen Gipfels lag und von dem aus der angreifende Feind wohl in der Flanke zu fassen war. Freilich richteten sich zwölf Büchsen auf diese Abteilung, und mehrere Feinde fielen, ehe der Felskegel erreicht worden war, aber gleich darauf verschwanden die Engländer, und dann ward ein scharfes Feuer von jenem Platze aus auf die Buern eröffnet. Ein Mann neben Pieter Maritz erhielt einen Schuß durch den linken Arm, und einem andern ward der Hut vom Kopfe gerissen.

»Das geht so nicht,« sagten die Buern, »wir müssen die Kerle dort weg haben.«

Es kamen ihrer zwanzig bis dreißig zusammen, und sie duckten sich hinter Steine, indem sie teils gegen den neubesetzten Punkt, teils noch gegen den Gipfel feuerten. Pieter Maritz und noch fünf Buern aber krochen seitwärts hinter Felsblöcken hin, um den neuerschienenen Feind von der andern Seite zu fassen. Die Engländer kauerten hinter Stein und Erde, und bald sah Pieter Maritz die blauen Jacken und roten Röcke. Es mochten ihrer zusammen etwa fünfzig sein, und ein Marineoffizier kommandierte sie. Sie schossen sich mit den Buern an der Schlucht herum, aber Pieter Maritz sah, daß sie Mühe hatten, standzuhalten, denn die Kugeln jener Buern streiften immer scharf über sie weg, wie er an dem Ducken der Soldaten bemerken konnte. Jetzt brachte der kleine Trupp die Büchsen in Anschlag, sorgfältig hinter zwei großen Blöcken verborgen. Die Schüsse krachten, und der Offizier da drüben fiel zuerst. Mit ihm sanken fünf andere Männer, und Schrecken bemächtigte sich aller. Sie sprangen auf, da sie sich von der Seite gefaßt sahen, und voll Wut stürmten wohl zwanzig der Seeleute abwärts gegen den kleinen Trupp, während die andern nach oben flohen. Mit lautem Hurra stürmten die wackeren Seeleute an, aber sie kamen nicht weit. Kaum hundert Schritte hatten sie durchmessen, da bedeckte die Hälfte von ihnen den Boden, und voll Entsetzen stürzten die andern zurück. Eine schlimme Sache war es für diese Engländer, die den Gipfel verlassen hatten. Sie waren zu gleicher Zeit dem Feuer aus der Schlucht und dem Feuer der Gruppe um Pieter Maritz ausgesetzt, und wenige von ihnen kamen zurück.