Die Reisenden hatten bis jetzt zusammengedrängt am Hügel gestanden, von Nässe triefend, frierend und ohne imstande zu sein, irgend etwas zu unternehmen. Doch verloren sich jetzt mit zauberhafter Schnelligkeit die Wasserfluten. Der Erdboden schien sie plötzlich eingesogen zu haben, sobald neuer Zufluß aufhörte. Nun machten sich der Missionar und seine Begleiter sofort auf, um nach den Ochsen zu sehen. Sie schritten beim Mondlicht vorwärts in dem Thale und erreichten die Stelle, wo sie am Nachmittage den Teich gefunden hatten. Aber wie war die Scene verändert! Ein großer See war an der Stelle jenes Teiches, seine Wellen schlugen weit über die ehemaligen Ufer hinaus und bespülten die Bäume, welche vorhin hoch emporgeragt hatten, bis zur halben Höhe des Stammes. Von den Ochsen war nichts zu sehen. Sollten sie in diesen See geraten und ertrunken sein?

Ein unheimliches Brüllen erhob sich jetzt in der Nachbarschaft und ließ erkennen, daß die Löwen aus ihren Höhlen hervorgekommen waren und nach Beute ausgingen. Es war wegen der Nacht und wegen der Raubtiere nicht ratsam, auf eine fernere Suche nach den Ochsen auszugehen. Der Missionar beschloß, nach dem Wagen zurückzukehren und in demselben zu übernachten. Ein Feuer konnte nicht angezündet werden, da alle Gegenstände, alles Holz, alle Büsche völlig naß waren.

Mit einem Male fiel es Pieter Maritz auf, daß Humbati und Molihabantschi nicht zu sehen waren. Ein Schrecken fuhr durch seine Glieder.

»Wo sind die Zulus?« rief er.

Niemand konnte ihm Auskunft geben.

»Sie werden einen sichern Unterschlupf gefunden haben,« sagte der Missionar. »Diese Leute sind mit der Natur vertrauter als wir.«

Der Knabe sagte nichts, aber er glaubte nicht, daß sie noch in der Nähe wären. Große Sorge überfiel ihn. Er konnte nicht umherreiten, um sie zu suchen. Wohin hätte er reiten sollen? — Die farbigen Diener befestigten das Zeltdach über dem Wagen, und der Missionar mit seinen Begleitern krochen hinein.

»Ich werde Wache stehen,« sagte der Knabe, und getreulich hielt er, die Büchse im Arme, Wache während der Nacht. Er spähte unaufhörlich umher, ob er etwas hörte oder sähe, was ihn beruhigen könnte, denn ihn folterte die Befürchtung, seinen Auftrag schlecht vollführt zu haben. Aber nur die Stimmen der Nachttiere, das Heulen der Panther und Hyänen und das Brüllen der Löwen, durchbrach die Stille. Nur einmal glaubte er Molihabantschi vor sich zu sehen. Er erblickte plötzlich funkelnde Augen in der Nähe, die ihm Ähnlichkeit mit dem Blick dieses Kriegers zu haben schienen, und er hoffte für eine Sekunde, in der dunkeln Gestalt, die dort auftauchte, den Zulu zu erkennen. Aber im nächsten Augenblick sah er deutlicher. Die Augen gehörten einer großen Hyäne an, und noch mehrere andere Paar blitzender Augen tauchten auf. Die Tiere hatten sich heimlich und still herangeschlichen, ohne daß die übermüdeten Pferde, die im Stehen, an den Wagen angebunden, schliefen, es bemerkt hatten.

Pieter Maritz nahm die große Hyäne aufs Korn, und als der Schuß krachte, wälzte sie sich tödlich getroffen am Boden; die andern flohen, aber noch zweimal fuhr die mörderische Kugel in das Rudel hinein und streckte noch zwei der Tiere auf der Flucht nieder. Erschrocken fuhren die Schläfer empor, aber legten sich bald wieder nieder, als der Knabe sie beruhigte. Dann ward es still umher, der Knall der menschlichen Waffe hatte die Wildnis beruhigt.

Doch des Knaben blaue Augen ruhten nicht. Sie blickten nach den verschwundenen Gesandten des Zulukönigs aus.