Vor dem Versammlungshause angekommen, hielt der jugendliche Führer der Reiterschar sein Roß an, und da Pieter Maritz gerade neben ihm stand, wandte er sich an diesen und fragte, wer hier der Älteste sei und über die Gemeinde zu befehlen habe. Er sprach englisch, und Pieter Maritz verstand diese Sprache sehr gut, aber die Frage ward in so hochmütigem Tone und in einer so besondern Sprechweise gestellt, daß Pieter Maritz nur verwundert in das fragende Gesicht sah und nachdachte, warum dieser junge Krieger wohl so sehr durch die Nase spräche.

»Kann der Bauernlümmel nicht antworten oder will er nicht?« rief der Engländer.

Pieter Maritz wurde ganz rot vor Zorn und Scham und faßte unwillkürlich nach der Seite, wo er den Hirschfänger zu tragen pflegte. Aber er war ohne Waffen, wie er sich zu Tisch gesetzt hatte.

»Ob der Bursche nur wenigstens den Hut vom Kopfe thut!« rief der Engländer von neuem. »Es ist sehr notwendig, diesem Volke Manieren beizubringen.«

In diesem Augenblicke aber, ehe sich der Streit noch verschärfen konnte, kam der Superintendent heran und sagte, daß er der Vertreter der Missionsstation wie überhaupt der deutschen Kirchen in Transvaal sei. Der Engländer grüßte hierauf sehr höflich, obwohl immer noch mit der Miene der Herablassung, und sagte, er sei Lord Adolphus Fitzherbert, Leutnant und Kommandant einer Patrouille von der Dragonergarde Ihrer Majestät der Königin. Er beanspruche Quartier für eine Nacht in Botschabelo.

Der Superintendent gab hierauf Anweisungen, den Dragonern Wohnung und ihren Pferden Stallung zu geben, die Reiter stiegen ab, und der Leutnant ging mit den Missionaren in das Speisezimmer, wo die Schüsseln noch unangerührt standen. Er legte Helm, Pallasch und Revolver, auch das goldglänzende Bandelier mit der silbernen Patrontasche ab, setzte sich mit seinen Wirten zu Tisch und ließ es sich gut schmecken.

Pieter Maritz hatte tiefen Groll gegen den Fremden im Herzen und betrachtete ihn vom Ende des Tisches aus mit schrägen Blicken aus den Augenwinkeln. Der Engländer hatte den Ehrenplatz neben dem Superintendenten und benahm sich so fein und vornehm, daß Pieter Maritz nicht wußte, ob er mehr hassen oder mehr bewundern sollte. Dem Ansehen nach war der Leutnant nur wenige Jahre älter als der Buernsohn. Er hatte ein längliches, blasses Gesicht mit grauen Augen, zierlich geschwungene Augenbrauen und einen kleinen, schwachen Anflug von Bart auf der Oberlippe, und sein dunkles Haar war kurz geschnitten und zurückgekämmt. Seine Hände waren schmal und schneeweiß, mit rötlich schimmernden Nägeln, so daß Pieter Maritz in Verwirrung seine eigenen Hände betrachtete, welche niemals in Schafleder oder Ziegenleder gehüllt gewesen, braun von Farbe und hart wie Horn waren. An Wuchs war der Engländer wohl einen Kopf höher als Pieter Maritz, aber dieser dachte, wenn er sich mit dem übermütigen Jüngling einmal im Ringkampfe messen dürfte, so wollte er ihn in der Mitte durchbrechen.

Als das Essen vorüber war, wurden dem Gast zu Ehren einige Flaschen Wein auf den Tisch gesetzt, die Frauen entfernten sich, und die Männer fingen an, von Politik zu sprechen, da die Brüder sehr gespannt waren, zu erfahren, was die unerwartete und nie vorher hier erblickte Erscheinung britischen Militärs zu bedeuten habe.

Lord Adolphus Fitzherbert lehnte sich behaglich auf seinem Stuhle zurück, schlug die Beine übereinander, welche mit Stulpenstiefeln von Glanzleder bekleidet waren, zog aus der Brusttasche seines scharlachroten, goldgestickten Waffenrocks ein goldenes Etui hervor, auf welchem ein Wappen graviert war, und nahm eine Zigarrette heraus, welche er anzündete.

»Ja, meine Herren,« sagte er, den Dampf des türkischen Tabaks vor sich hin blasend, »ich habe einen kleinen Streifzug durch diese Gegend gemacht, weil es bei uns hieß, das Land sei nicht ganz sicher. Man spricht von ein paar schwarzen Kerlen — Titus Afrikaner und Fledermaus heißen sie, wenn ich nicht irre —, die hier umhervagabondieren. Es würde eine heilsame Lehre sein, wenn wir einmal den einen oder den anderen der Niggers aufknüpften.«