»Das ist eine Schule bei mir zu Hause, wo die jungen Offiziere lernen, wie man Krieg führt.«

»Kann man das in der Schule lernen?« fragte Pieter Maritz lachend. »Wir lernen das im Kampfe von unsern Vätern.«

»Vielleicht habt ihr die bessere Manier,« sagte der Lord. »Aber bei mir zu Hause herrscht die schöne Sitte des Umherziehens im Lande und des Viehstehlens nicht, und da müssen wir es wohl in der Schule lernen; wenigstens die Anfangsgründe. Denn später lernen wir es auch, indem wir auf dem Felde Krieg spielen — was wir Manöver nennen — und dann in den Kolonien im wirklichen Kampfe mit Niggern, Indern, Malaien und allen möglichen bunten Völkerschaften der ganzen Erde. Denn unsere Truppen sind überall, wir beherrschen den größten Teil der Welt.«

— »Jetzt reiten sie langsamer, das ist klug,« sagte Pieter Maritz. »O könnte ich ihnen doch ein Zeichen geben! Aber es ist zu weit, und sie würden es nicht verstehen, wenn ich winkte. Wollte ich ihnen aber entgegenlaufen, so würde mir von hinten gar bald ein Wurfspieß folgen.«

Der Lord erhob sich wieder, von Teilnahme an den bevorstehenden Ereignissen trotz seiner Erschöpfung ergriffen, und spähte hinab. »Ja, sie reiten langsamer,« sagte er. »Sie sind noch einen Kanonenschuß weit entfernt. Aber ich begreife nicht, was sie zu Pferde wollen. Sie denken doch nicht etwa daran, mit Niggern im Walde zu Pferde zu kämpfen?«

»O nein,« sagte der Knabe. »Sie werden schon wissen, was sie zu thun haben.«

»Aber es sind ihrer so wenige. Was wollen fünfzig bis sechzig Leute? Hier sind doch wohl zehnmal so viel.«

»Es sind Buern!« sagte der Knabe stolz. »Ein Buer gegen zehn Kaffern ist schon eine starke Übermacht.«

»Ihr habt ein schönes Selbstvertrauen,« sagte der Lord kopfschüttelnd.

Titus Afrikaner lehnte ruhig an dem Stamm des Baumkandelabers und beobachtete die Scene dort unten. Die Buern waren noch in zwei Haufen geteilt, die einen Büchsenschuß weit voneinander entfernt ritten, und drei Reiter waren jedem der Trupps voraus und durchsuchten das Terrain, damit nicht ein unerwartetes Zusammentreffen mit den Räubern stattfände, deren Anwesenheit in dieser Gegend ihnen bekannt war. Als sie das weite, offene Thal durchmessen hatten und sich nun dem waldigen Teil des höheren Gebirges näherten, verringerte sich die Eile, mit welcher sie sich bis jetzt vorwärts bewegt hatten; sie ritten im Schritt an der Höhe vorbei, auf welcher die Gefangenen waren, und auf einen Wink der vorausgesandten Späher machten sie, noch außer Schußweite, Halt. Ein Wald war vor ihnen, derselbe Wald, in welchem Fledermaus mit der Hauptmasse vorgerückt war, und die kundigen Buern wagten sich nicht ohne Vorsichtsmaßregeln weiter. Sie hielten weit genug vor dem unübersichtlichen Thale still, und mehrere Männer stiegen ab, übergaben ihre Pferde den Kameraden und gingen, die Büchse schußbereit in der Hand, vorsichtig vor. Die Gefangenen konnten deutlich den Anzug und die Waffen der Buern erkennen. Sie trugen alle den breitkrempigen Hut, der so gut vor den Sonnenstrahlen schützt und ein bequemes, sicheres Zielen begünstigt, und waren alle mit dem Patronengurt über der Bluse und dem Hirschfänger ausgerüstet.