Titus Afrikaner machte eine Bewegung der Ungeduld und blickte nach dem Walde hin, der das Thal linker Hand erfüllte und aus diesem hervor dort unten in die Ebene vorsprang. Da, mit einem Male, mußten die Buern etwas entdeckt haben. Die zu Fuße vorangehenden Leute blieben plötzlich stehen und verschwanden dann im Buschwerk. Nun stieg ein weißes Rauchwölkchen von der Stelle auf, wo sie verschwunden waren, ein schwacher Knall scholl herauf, und alsbald saßen sämtliche Buern ab, vereinigten sich aus beiden Trupps zu einer langen Linie mit weiten Zwischenräumen und rückten mit Ausnahme einiger weniger, welche die Pferde hielten, gegen das bewaldete Thal vor.
Atemlos sahen die Gefangenen zu — da, plötzlich, erscholl ein wildes Geheul unten im Thale, und aus dem Walde hervor stürzte eine lange dichte Reihe schwarzer Krieger, die Speere schwingend und die Schilde vor die Brust haltend. Allen voran lief eine Gestalt in fliegendem, grauem Mantel, der Häuptling Fledermaus, der wirklich in seiner Erscheinung, wie er so aus dem Walde hervorkam, dem unheimlichen Tiere glich, dessen Namen er trug.
Die Schwarzen stürzten sich mit Kriegsgeschrei auf die Buern, so viele gegen so wenige — aber nun entstand dort unten ein eigentümliches Bild. Die Buern waren nicht mehr zu sehen, es war, als hätte der Erdboden mit seinem hohen Grase, seinen dichten Büschen und den Felsblöcken, die zerstreut umherlagen, sie verschlungen. Aber hier und da, erst einzeln, dann immer häufiger stiegen hinter den Felsblöcken, hinter den Büschen, hinter den Stämmen der Bäume Rauchwölkchen auf, und der Knall vieler Schüsse drang aus der Entfernung empor. Unter den Schwarzen aber entstand alsbald Verwirrung. Es war, als hätte ein Taumel sie ergriffen. So viel Rauchwölkchen aufstiegen, so viel schwarze Krieger stürzten zu Boden, und die in der Nähe der Fallenden liefen seitwärts und stockten im Angriff.
»Wie diese Buern schießen!« rief der Lord voll Bewunderung. Er war so von dem Schauspiel in Anspruch genommen, daß er die eigene Ermüdung und die Gefahr seiner Person vergessen hatte und mit weit geöffneten Augen, vorn übergeneigt, nur noch den Kampf sah und nur noch an den Kampf dachte. Pieter Maritz war in derselben Spannung, und unwillkürlich zuckten seine Hände in den Banden.
Jetzt wandten sich die Schwarzen, um in den Wald zurückzukehren. Der Angriff war mißlungen oder ward vielleicht mit Absicht so früh aufgegeben, und während viele schwarze Gestalten draußen auf dem Boden liegen blieben, tauchte die Masse wieder in das deckende Grün ein und entschwand dem Blick.
Langsam und schrittweise rückten jetzt die Buern vor, indem sie einzeln nach und nach aus ihren Verstecken hervorkamen.
In diesem Augenblick hörten die Gefangenen einen zischenden Ton, wie ihn die cobra capella, die gefürchtete Brillenschlange, ausstößt, wenn sie, um auf den Feind zu stoßen, den Leib aufrichtet und mit vorgestrecktem Kopfe den Hals aufbläht, und als sie nach Titus Afrikaner blickten, von dessen Platze aus der Ton gekommen war, sahen sie den Häuptling seine Büchse schwingen und seinen Gefährten winken. Er schien gewachsen zu sein: seine kleine Figur dehnte sich, und die Kampflust schwellte seine Sehnen. Er zeigte nach dem Hange hin und eilte alsbald mit leichtem, weitem Schritte die Höhe hinab, gleichsam hingleitend durch das Buschwerk, das den steilen Abfall des Berges bedeckte. Hinter ihm folgten seine Krieger, und auch die Gefangenen wurden genötigt, zu folgen, indem die letzten beiden Schwarzen sie in die Mitte nahmen. Die Richtung, welche Titus Afrikaner einschlug, mußte den Trupp gerade zwischen die Linie der Buern und den Haufen ihrer ledigen Pferde führen.