Der Ton des Kampfes, welcher sich dort drüben entspann, ward auch von Titus Afrikaner und seinen Begleitern vernommen und schien diese wilden Krieger zu berauschen. Es duldete sie nicht mehr in ihrer vorsichtigen, langsamen Annäherung an den versteckten Feind, sondern sie sprangen auf und liefen ebenfalls mit Kriegsgeschrei vorwärts. Ihr weithin tönender Ruf antwortete dem der Brüder in der Ferne und mit weiten Sprüngen eilten sie, an den Feind zu kommen, der ihnen gegenüber lag.

Aber jetzt wurden auch die Gestalten der Buern sichtbar. Sie erhoben sich hinter ihren Deckungen, und die Geschosse ihrer sicher treffenden Gewehre flogen den Angreifern entgegen. Einer nach dem andern ihrer schwarzen Gegner stürzte nieder. Den einen traf die Kugel mitten im Sprunge, die Büchse entsank seiner Hand, und schwer schlug er nieder; den andern schlug das Geschoß in die Brust, als er eben schießen wollte, so daß er gleich dem getroffenen Wilde hoch emporsprang und dann auf das Gesicht niederfiel; einem dritten zerschlug das Blei den Schenkel, so daß er stöhnend in die Kniee sank. Die Schwarzen hielten von neuem inne und legten nun ihrerseits die Gewehre an.

In dieser Scene ward die Aufmerksamkeit der Gefangenen vor allem auf Titus Afrikaner gelenkt, der der Vorderste im Trupp war und sich gerade einem der halb sichtbaren Buern gegenüber befand. Deutlich sah der Knabe den weißlich glänzenden Bart des Buern und den Umriß seiner breiten Schultern und des großen Hutes. Er hatte das Gewehr an der Backe und zielte auf den Häuptling. Die Gestalt des Titus Afrikaner, welche mit der Gelenkigkeit des Panthers über den unebenen Boden dahin gesprungen war, stand jetzt unbeweglich. Auch er hatte die Büchse zielend emporgezogen, und für eine Sekunde glich seine Begegnung mit dem alten Buer einem Zweikampf, der auf die gefährlichste aller Waffen, das weit tragende gezogene Gewehr, ausgefochten wurde. Der Schuß des Weißen kam zuerst, und in dem Augenblick, wo das Feuer aus der Mündung seiner Waffe hervorbrach, schien die aufrechte Gestalt des Häuptlings in sich zusammenzusinken. Er war wie in den Boden hineingedrückt. Aber die Hoffnung der Gefangenen, daß er getroffen sei, erfüllte sich nicht. Seine Büchse verließ ihre Haltung in seinen Armen nicht, und während der Buer begierig der Wirkung seines Schusses nachsah, blitzte der Feuerstrahl aus des Häuptlings Waffe auf. Ein Schreckenslaut entrang sich des Knaben Munde. Der weißbärtige Buer öffnete die Arme, das Gewehr entfiel ihm, und er stürzte vorwärts nieder. Gleich darauf waren alle Gestalten, die drüben zu sehen gewesen waren, verschwunden, die Ebene lag wieder im grünen Schein ihrer Bewachsung da, und kein Hut tauchte mehr auf, kein Pulverdampf stieg mehr empor. Aber auch die Schwarzen lagen jetzt still. Titus Afrikaner blickte unter seinen Leuten umher. Ihrer sechs lagen am Boden, und er mochte wohl denken, daß ein fernerer Sturmlauf unthunlich sei. Von neuem fing er an, vorsichtig im Grase weiterzukriechen, und seine Begleiter ahmten ihm nach.

»Seht doch,« sagte Pieter Maritz plötzlich zu dem Lord, indem er nach einem fernen Punkt in der Ebene deutete, »sind das nicht die Pferde?«

Der Engländer sah nach der bezeichneten Stelle hinüber und erkannte eine dunkle Masse, welche in Bewegung war.

»Die Buern geben den Kampf auf,« sagte der Knabe mit schmerzlichem Seufzer.

»Zum Henker!« rief der Lord, »das wäre eine verwünschte Geschichte! Aber wie können sie den Kampf aufgeben? Werden ihnen die Niggers nicht auf den Fersen bleiben?«

»Nein, nein, sie werden es schon zu machen wissen. Hört Ihr, Mynheer, daß drüben der Lärm verstummt ist? Fledermaus ist wieder in den Wald zurückgetrieben worden. Nur einige Schüsse sind noch zu hören. Die Buern lassen einige Leute zurück, um auf die Schwarzen zu schießen, welche zu nahe kommen, währenddessen steigt die Masse zu Pferde. Dann folgen auch die letzten, und sie jagen alle davon.«

»Aber sie haben doch nur einen einzigen Mann verloren,« entgegnete der Lord ungläubig. »Da werden sie doch nicht schon umkehren. Wenn sie den Kampf auf diese Weise fortsetzen, müssen sie doch zuletzt alle Nigger tot geschossen haben.«

»Ich fürchte, sie haben mehr als einen Mann verloren. Wir sahen nur den einen ganz deutlich fallen, aber es schien mir so, als wären noch zwei andere getroffen worden. Und vielleicht sind drüben auch Verluste gewesen. Wenn die Buern ein paar Leute verlieren, so gehen sie zurück, denn sie wollen sich nicht töten lassen, sondern ihr Vieh wiederholen und die Räuber bestrafen.«