[Elftes Kapitel]
Die Reise in das Zululand
In dem ehrfurchtsvollen Schweigen, welches die Erscheinung der Zulus unter den Räubern hervorrief, erkannte der Missionar die Bedeutung der beiden Männer, die er einst vom Tode durch die Gewehre der Buern errettet hatte, und er fand darin zugleich die Bestätigung einer Vermutung, welche er seit seinem Aufenthalte im Dorfe des Fledermaus gehegt hatte. Es war ihm nämlich so vorgekommen, als ob die Macht des Titus Afrikaner nicht allein auf dessen eigener Kraft beruhe. Die Menge der Kaffern, welche sich unter der Schar befanden, die Art und Weise, mit welcher er von dem Zulureiche Tschetschwajos hatte sprechen hören, und die Nähe der Grenze jenes Reiches hatten ihn oft denken lassen, daß die Räuber im Gebirge die Unterstützung des mächtigen Fürsten genössen, der in ganz Südafrika gefürchtet war, und daß sie gleichsam einen Vorposten der Zulumacht bildeten. In dieser Vermutung ward er jetzt durch die Ereignisse bestärkt.
Humbati und Molihabantschi, welche offenbar den Häuptlingen bekannt waren, benahmen sich im Pitscho, als seien sie die Gebieter, und während sie von allen Seiten mit tiefen Verbeugungen begrüßt wurden, trafen sie Anordnungen, welche sofort als gültig anerkannt wurden. Sie geboten, daß die Scharen der Krieger bei gemeinsamer Mahlzeit in der Khotla bleiben, daß aber sämtliche Häuptlinge sich zu einer geheimen Beratung zurückziehen sollten. So geschah es. Die große Menge blieb zurück und rüstete einen Schmaus zu, Humbati und Molihabantschi aber gingen mit den Häuptlingen in den Hofraum, welcher die große Hütte des Fledermaus umgab. Dort blieben sie lange Zeit in Beratung zusammen.
Die Weißen begaben sich währenddessen, nicht ohne Sorge wegen des Verlaufs der Dinge, in ihre eigene Hütte und besprachen miteinander, was geschehen war. Die Umwandlung in der Seele des Titus Afrikaner hatte sie tief berührt, und während der Missionar sich im Dankgebet an Gott wandte, der solche Wunder unter den Heiden wirkte, erkannten der junge Lord sowohl wie Pieter Maritz so hell wie nie vorher die nie erlöschende Macht der ewigen Wahrheit in den Herzen der Menschen.
Ihr Zusammensein wurde nach einigen Stunden durch die Erscheinung Humbatis unterbrochen. Mit höflicher Verneigung und freundlichem Lächeln trat der Gesandte herein und ließ sich nach Aufforderung des Missionars auf einen Schemel nieder.
»Mein Vater,« sagte er mit demütigem Blick zu dem Missionar, »du warst unser Beschützer. Wenn deine Hand uns nicht schirmte, wären Humbati und Molihabantschi tote Männer. Wir sind deine Diener, wir gehören dir an. Siehe dort drüben, in wenigen Tagereisen zu erreichen, wohnt der große Tschetschwajo. Er wird meinem Vater zu danken wissen, was dieser uns Gutes erwiesen hat. Denn er ist sehr reich und mächtig, wir aber sind arm und schwach. Mein Vater möge die Güte haben, uns zu dem König zu begleiten.«
Obgleich voll Mut und Gottvertrauen, hörte der Missionar diesen Vorschlag doch nicht ohne Schrecken. Er hatte genug über den Zulukönig vernommen, um zu wissen, daß es keinen Mann im ganzen Südafrika gab, der mehr zu fürchten gewesen wäre. Tschetschwajo war als Tyrann ohnegleichen berüchtigt, er war ein großer Menschenmörder, Blut strömte wie Wasser in seinem Lande.