»Mein Freund,« erwiderte er nach kurzem Nachdenken, »ich erkenne die Güte an, welche du mir erweisen willst, aber ich bin nicht gesonnen, so weit zu reisen. Ich habe mir vorgenommen, die christliche Lehre hier unter den Anhängern des Titus Afrikaner zu verbreiten, und da ich mit dieser Aufgabe noch nicht fertig bin, will ich hier bleiben. Was sollte ich bei deinem Könige? Ich bin nicht begierig nach Dank und Lohn. Wir Christen thun das Gute nicht der Belohnung wegen, sondern weil unser Gott es uns so befohlen hat.«
»Ich weiß,« entgegnete der Zulu. »Aber mein Vater möge überlegen, ob er hier in Sicherheit noch länger wohnen kann. Gewiß hat er ein Beispiel seiner großen Beredsamkeit gegeben, indem er das Herz des Titus Afrikaner nach seinem Willen gebeugt hat, aber Titus Afrikaner wird ihn nicht länger beschützen können, da er nicht mehr Häuptling ist. Sein Bruder Fledermaus ist an seine Stelle getreten und wird im Gebirge die Herrschaft führen. Die Krieger aber zürnen dem weißen Manne, weil er das Herz des Häuptlings erweicht hat, und diese rohen und ungebildeten Männer können leicht eine Frevelthat an dem ehrwürdigen Haupte meines Vaters begehen, da sie dessen Heiligkeit nicht zu schätzen wissen. Mein Vater möge mit uns gehen. Tschetschwajo wird sich freuen, denjenigen ehren zu können, der seinen Knechten Wohlthaten erwies.«
»Es ist nicht möglich,« sagte der Missionar kopfschüttelnd. »Diese Reise würde mich zu weit führen. Du als ein kluger Mann weißt selbst, daß ein Mann den Kreis seiner Thätigkeit nicht zu weit ausdehnen sollte, weil er sonst seine Kraft gebrochen sieht, wie der Bogen zerbricht, der zu straff gespannt wird. Meine Wirksamkeit soll sich auf dieses Land beschränken. Hier hoffe ich durch anhaltende Thätigkeit die Früchte an den Bäumen reifen zu sehen, die ich pflanzte. Gehe ich in ein neues Land, so möchte ich in dem alten nicht nur die Früchte, sondern auch die Bäume verlieren.«
»Mein Vater ist sehr weise,« entgegnete der Zulu, »und sicherlich hat Humbati nicht die beredte Zunge, um mit ihm streiten oder ihn belehren zu können. Aber mein Vater möge Mitleid mit den Gesandten Tschetschwajos haben. Der König wird erfahren, was geschehen ist. Er wird hören, daß der weiße Mann hier ist, und er wird uns fragen, ob unser Betragen Anlaß gegeben hat, daß er uns nicht hat begleiten wollen. Er wird zornig werden, wenn wir allein kommen. Er wird es nicht glauben wollen, daß wir den weißen Mann eingeladen haben, an seinen Hof zu kommen. Er liebt es, kluge Männer bei sich zu sehen, und er hat hohe Achtung vor den Lehrern der Weißen. Uns wird er die Schuld geben, wenn mein Vater nicht mit uns kommt, und uns wird sein Zorn treffen. Ehe die Sonne untergeht an dem Tage, wo wir vor sein Antlitz treten, werden unsere Köpfe fallen. Darum, wenn mein Vater uns wirklich liebt, möge er uns begleiten.«
Der Zulu sprach so ernst und eindringlich, daß der Missionar nachdenklich ward. War diese Einladung nicht vielleicht eine Fügung Gottes und wies darauf hin, daß der blutige Tyrann für die christliche Lehre empfänglich gemacht werden sollte?
»Was wird aus meinen Begleitern werden, aus diesem Bauernknaben und aus dem englischen Krieger?« fragte er.
Der Zulu besann sich keinen Augenblick. »Diese beiden werden auf jeden Fall mit uns gehen,« sagte er. »Ich habe Befehl gegeben, daß beiden ihre Pferde und Waffen zurückgegeben werden, denn die Begleiter meines Vaters dürfen nicht beraubt werden. Ich werde sie vor das Angesicht Tschetschwajos führen, und der König selbst wird über ihr Schicksal entscheiden.«
»Habt ihr verstanden?« sagte der Missionar, sich in englischer Sprache an seine jungen Begleiter wendend. »Eure Lordschaft und du, Pieter Maritz, sollt die Reise noch weithin fortsetzen. Dieser Gesandte des Zulukönigs will euch zu Tschetschwajo bringen.«
»Meiner Treu,« sagte der Lord, »vorausgesetzt, daß ich nicht zu Fuße gehen soll, bin ich bereit, bis ans Ende der Welt zu ziehen. Ich fühle mich von einem Dämon erfaßt, der mit mir umspringt, als wäre ich ein Federball. Ich habe allen eigenen Willen verloren und werde mich über nichts mehr wundern. Ich habe hier in Afrika schon so viel erlebt, daß ich nicht erstaunen würde, wenn ich etwa selbst noch schwarz würde und mich mit Butter einriebe.«
»Und was mich betrifft,« fügte Pieter Maritz hinzu, »so vertraue ich auf Gott, und so lange ich in Eurem Schutze bin, Mynheer, werde ich auch Tschetschwajo nicht fürchten.«