[Zwölftes Kapitel]
Tschetschwajo, der Zulukönig

Der König trat aus der Mitte seiner Krieger hervor, und hinter ihm gingen eine Anzahl von Männern, welche Körbe und Schalen und Krüge trugen. Er ging den Fremden bis in die Mitte des Platzes entgegen, und diesen wurde ein Zeichen gegeben, zu ihm zu kommen. Der Missionar, der Lord und der Buernsohn ließen nun ihre Pferde zurück und gingen auf den König zu. Er war offenbar unterrichtet über die Art der Begrüßung bei den Engländern, denn er streckte seine rechte Hand aus und schüttelte den drei Weißen herzlich, aber so kräftig die Hand, daß sie glaubten, von einem Schraubstock erfaßt zu sein, der ihnen den Arm hätte aus der Schulter reißen wollen. Sie betrachteten den König voll Spannung. Er war sehr groß, fast einen ganzen Kopf höher als der schlanke englische Offizier, welcher der größte unter ihnen war. Aber er war auch sehr breit und dick. Da er nackend war und nur einen kleinen Schurz von Löwenfell trug, konnte seine Figur genau betrachtet werden. Sein Kopf war gewaltig breit und dick, ein dünner Bart zog sich um Kinn und Mund. Sein Nacken glich dem eines Stieres, seine Schultern bildeten wahre Berge von Muskeln. Seine Arme waren die eines Herkules, seine Schenkel schwollen von Kraft. Nur war der König um Bauch und Brust zu fett, um wahrhaft schön von Gestalt zu sein, und sein etwas kurzer Atem deutete an, daß er zu wohlgenährt war, als daß seine Lunge und sein Herz ganz frei hätten thätig sein können. Er trug keine Waffen, sondern einen langen Stab, eine Art von Scepter aus Elfenbein, mit goldenen Ringen verziert. In dem kurzen krausen Haar steckten drei Straußenfedern und ein goldener Pfeil. Um seinen Hals schlang sich vierfach eine Kette von echten Perlen, die vorn am Kehlkopf sehr groß waren und auf der schwarzen Haut herrlich schimmerten. Vier dünne Perlenstreifen, deren Ende aus goldenen Nadeln bestand, hingen vom Halsband herab. Dann trug er an Schmuck noch Perlenohrringe und zwei goldene Ringe an der linken Hand.

Nachdem er jedem der Weißen die Hand gegeben hatte, faßte er den Missionar in vertraulicher Weise am Arm, zeigte mit der andern Hand ringsum, so daß sie einen Bogen beschrieb, und sagte in der Sprache der Zulus, welche der Missionar ziemlich gut verstand: »Das Land liegt vor dir. Du bist zu deinem Sohn gekommen. Schlafe, wo es dir gefällt.«

Alsdann lud er die Weißen mit einem Wink ein, sich auf das Gras zu setzen, kauerte selbst nieder, indem er ihnen das Beispiel gab, und ließ die Diener ihre Körbe, Schalen und Krüge auf fein geflochtene Matten vor ihm und den Gästen niedersetzen.

Als er sich niederkauerte, brach ein ungeheures Getöse im Gefolge und in den Reihen der Krieger los. Alle riefen: »Der große König setzt sich! Der mächtige König des Himmels will speisen! Der starke Elefant hat die Gnade, sich niederzulassen!«

Mehrere Minuten lang rollte dieser Ruf donnerartig durch die dichten Reihen, dann wurde es wieder totenstill. Die Weißen sahen Humbati aus dem Gefolge hervorkommen und sich zur Rechten des Monarchen niederkauern. Sie erkannten jetzt deutlich die Stellung dieses Mannes. Doch blickte er bescheiden zu Boden, grüßte die Bekannten nicht, sondern erschien nur als des königlichen Winkes gewärtig. Ähnlich benahmen sich Molihabantschi und die Hofleute, welche den Weißen entgegengegangen waren.

Der König sprach kein Wort weiter, sondern aß und trank. In den zierlich geflochtenen Körben waren Apfelsinen, Melonen, Granatäpfel und andere Früchte, dazu allerhand Backwerk. In den Schalen war Milch und Honig, und in den Krügen reines Wasser. Zum Erstaunen der Weißen waren auch mehrere Champagnerflaschen auf die Matten gesetzt. Der Wein war nicht gekühlt und schäumte infolge der Wärme sehr stark. Er wurde deshalb auch nicht in Gläser gegossen, sondern in große Trinkbecher aus der Schale des Straußeneies, welche auf goldenen Untersätzen standen. Nach dem Könige griffen die Gäste zu und dann der Hofstaat, welcher heute nur aus etwa zwölf Männern bestand: Indunas, wie bei den Zulus die Männer vom Hofe, die hohen Räte und die Heerführer genannt wurden. Sie waren einfacher in ihrem Schmuck als die Truppen, aber trugen doch mehr Putz als der König. Alle trugen Schild und Speer, den starken Speer der Zulus, welchen sie im Kampf nicht schleudern, sondern in der Faust behalten, um im Handgemenge zu siegen oder zu sterben. Es war ein durchaus kriegerischer Hofstaat und nichts von Weibern zu sehen.