»Du erzähltest mir von deinem König in Deutschland und gabst mir ein Buch, worin sein Bild und das Bild seiner Krieger ist. Aber ich sehe, daß sie Helme und Waffen tragen und abgebildet sind, wie sie in den Rauch der Feuergewehre und brennender Dörfer gehüllt sind. Wenn sie Christen sind, wie kommt es, daß sie Krieg führen?«

Der Missionar sah betroffen vor sich nieder.

»Mein König zog in den Krieg, weil er sich gegen seine Feinde verteidigen mußte,« entgegnete er. »Er hat nicht angegriffen, sondern er liebt den Frieden.«

Tschetschwajo lächelte triumphierend. »Und so macht es auch Tschetschwajo,« entgegnete er. »Auch Tschetschwajo liebt den Frieden, aber er hat seine Feinde. Er muß in den Kampf ziehen, um sein Land zu verteidigen.«

Er faßte nach diesen Worten vertraulich den Arm des Missionars und zog ihn zur Seite. Beide wandelten von dem Festplatze seitwärts, und niemand wagte, ihnen zu folgen.

»Mein Vater ist sehr klug,« sagte der König, »und er ist auch sehr gut. Du sagst die Wahrheit und schmeichelst nicht, darum vertraue ich dir. Wenn dir der Friede am Herzen liegt und du nicht willst, daß wieder Blut vergossen wird, so wirst du Tschetschwajos Wünsche gern erfüllen. Ich liebe den Frieden. Nie lebte ein König, der friedliebender gewesen wäre als Tschetschwajo, Pandas Sohn. Sage mir, sind die Engländer alle herübergekommen in das Kapland und Natal, oder sind ihrer noch in ihrem eigenen Lande zurückgeblieben?«

Der Missionar verstand die Frage nicht sogleich, und seine Miene verriet dies.

»Meine Boten sagen mir, daß viele Krieger in roten Röcken über das Meer gekommen sind,« fuhr der König fort. »Ich möchte wissen, ob alle Krieger der mächtigen Königin von England gekommen sind oder ob noch ein Heer zu Hause geblieben ist.«

Jetzt verstand der Missionar. Tschetschwajo wollte erforschen, ob die englischen Truppen noch Verstärkungen erhalten könnten, und hielt es in seiner Unwissenheit für möglich, daß bereits alle Engländer in Afrika wären. Hiernach wollte er offenbar seine Politik einrichten.

»O König,« sagte der Missionar, »die Macht der Engländer ist sehr groß. Sie beherrschen nicht allein ihre eigene Insel, auf der ihre Heimat ist, sondern sie haben überall auf der Erde viele Königreiche erobert, und für jeden Unterthan, den du hast, haben sie tausend. Ihre Heere sind sehr groß und sie haben noch nicht den zwanzigsten Teil ihrer Krieger nach Afrika herübergeschifft. Das Kapland und Natal sind nur ein Fußbreit ihrer Besitzungen.«