»Ha!« rief der König. Sein Gesicht war sehr finster, und Blitze schossen aus seinen Augen. Er ging schweigsam neben dem Missionar.
»Redest du die Wahrheit?« fragte er plötzlich mit drohender Miene.
»Ich rede die volle Wahrheit,« sagte der alte Mann.
»Du hast noch nicht alle Krieger Tschetschwajos gesehen,« fuhr der König fort. »Sie sind im Lande zerstreut, und du sahest noch nicht den vierten Teil. Die Engländer sind viel schwächer an Zahl. Es sind ihrer nicht mehr als drei meiner Regimenter. Darum halten sie auch Freundschaft mit den Häuptlingen an den Grenzen meines Landes, denn allein können sie den Kampf mit mir nicht aufnehmen. Habe ich nicht recht?«
»Was die Zahl betrifft, hast du recht,« sagte der Missionar. »Aber bedenke, daß die Engländer Feuergewehre haben, deine Krieger aber nur Schild und Speer. Dazu bedenke, daß die Engländer niemals eine Niederlage erleiden, ohne neue Krieger nachkommen zu lassen. Sie dürfen ihren vielen unterworfenen Königreichen nicht zeigen, daß sie geschlagen werden können, deshalb lassen sie immer neue Krieger kommen, bis sie siegen. Wenn du es deshalb möglich machen kannst, o König, mit den Engländern in Frieden zu bleiben, so rate ich dir, es zu thun.«
Dies war eine kühne Rede gegenüber einem Mann, der sich einbildete, der mächtigste Monarch und immer siegreich zu sein, gegenüber einem Herrscher, der die Sorgfalt seines ganzen Lebens auf die Ausbildung eines musterhaften Heeres verwandt hatte. Aber Tschetschwajo erzürnte sich nicht, im Gegenteil schwebte ein Lächeln um seinen Mund, als der Missionar davon sprach, daß die Zulus nur mit Schild und Speer bewaffnet wären.
»Du sprichst die Wahrheit,« begann er von neuem. »Tschetschwajo denkt ebenso wie du. Er wünscht mit den Engländern Frieden zu halten. Mein Vater möge dem Könige dazu helfen. Er möge dem jungen englischen Induna kluge Worte ins Ohr träufeln, damit dieser seinen Landsleuten des Königs gute Absicht mitteilt. Ich werde ihn wie einen Induna ehren und ihn nach seiner Heimat entlassen. Mein Vater möge ihm dies sagen und möge ihm noch folgende Worte Tschetschwajos mitteilen: Wenn die Engländer Land und Vieh erobern wollen, so sollen sie Krieg gegen die Buern führen. Die Buern haben mehr Vieh als Tschetschwajo. Ich will ihnen dabei zu Hilfe kommen. Wenn die englischen Truppen von Mittag her in das Land der Buern einrücken, wird Tschetschwajo mit dreißig Regimentern, jedes tausend Mann stark, vom Aufgang der Sonne her angreifen. Dann wollen beide das Land der Buern teilen. Die Engländer mögen alles nehmen, was jenseits der Drakensberge liegt, Tschetschwajo verlangt nur sehr wenig: er will das Land diesseits der Drakensberge nehmen.«
»Ich werde den Wunsch des Königs erfüllen,« sagte der Missionar. »Aber wird mir der König gestatten, meine Ansicht über dieses Unternehmen auszusprechen?«
»Tschetschwajo hört.«
»Du meinst, daß die Engländer Land und Vieh erobern wollen, aber ich denke, ihre Absicht ist eine andere. Die Engländer haben bereits das ganze Land der Buern für das ihrige erklärt. Du kannst ihnen nicht anbieten, was sie schon besitzen. Die Engländer haben eine andere Art, ihre Herrschaft auszudehnen, als du glaubst. Sie wollen den Buern nicht ihr Land und Vieh wegnehmen, sondern sie wollen nur, daß die Buern die Oberherrschaft der Königin anerkennen. Sie wollen, daß das Land, in welchem die Königin als Oberherrin gilt, glücklich und zufrieden ist. Sie wollen nicht, daß die schwarzen Menschen von den Buern unterdrückt werden, aber sie wollen auch nicht, daß der König Tschetschwajo Einfälle in das Buernland macht, um Dörfer zu verbrennen und Vieh fortzutreiben. Sie wollen den Oranjefreistaat und das Transvaalland beherrschen, aber auch zu einem reichen Gebiet machen und zu einem Gebiete, wo das Christentum gepredigt wird. Deshalb glaube ich nicht, daß der Gouverneur der Königin deinen Vorschlag annehmen wird.«