Der Lord errötete vor Freude. »Wahrhaftig?« rief er. »O, das ist herrlich! Ich werde mein Regiment wiedersehen!«
»Ja, aber unter der von mir soeben erwähnten Bedingung,« sagte der Missionar und erzählte dem jungen Offizier die Unterredung, welche er mit dem schwarzen Fürsten gehabt hatte. »Ich habe Tschetschwajo gleich gesagt, daß seine Botschaft schwerlich Erfolg haben würde, denn in der That kann ich nicht an deren Erfolg glauben, aber ich will doch mein Versprechen halten, und ich stelle es Eurer Lordschaft anheim, ob Sie die Sendung auf sich nehmen wollen.«
»O gewiß!« rief der Lord lachend, »ich übernehme jede Botschaft, um nur die Freiheit wiederzuerlangen. Es ist ja auf die Entschließungen der Regierung der Königin ganz ohne Einfluß, was ich vorschlage. Ich bin ein unbedeutender Leutnant. Übrigens ist Tschetschwajos Vorschlag nicht so ganz dumm. Jetzt freilich wird er zu spät kommen, er paßt nicht mehr in die politischen Verhältnisse, aber sonst — unter uns gesagt — ist der Vorschlag nicht dumm. Vor einigen Jahren noch war das Bündnis mit den Zulus sehr angenehm und nützlich für uns, denn die Buern sind unsere gefährlichsten Feinde in Afrika, und wir wären ihrer vor einigen Jahren nicht Herr geworden, wenn uns die Zulus nicht beigestanden hätten. Auch muß ich gestehen, daß der Anblick der Krieger Tschetschwajos mir Respekt eingeflößt hat. Wären diese Truppen mit Gewehren bewaffnet, so möchten sie leicht sowohl uns als die Buern unterkriegen. Wie die Kerls gut einexerziert sind, wie sie in Ordnung stehen, wie sie schwenken, und wie kräftig sie sind! Mit ihren Schilden und Speeren freilich können sie gegen europäische Truppen nichts ausrichten.«
»Sie sind also bereit, Mylord, dem Gouverneur den Vorschlag Tschetschwajos vorzutragen?«
»Gewiß, ich werde es thun. Welch ein himmlischer Gedanke, wieder nach Hause zu kommen! Und werde ich Pieter Maritz mitnehmen dürfen? Ich thäte dem armen Burschen so gern einen Gefallen, denn er hat sich gegen mich vortrefflich benommen, und ich werde ihm zeitlebens dankbar sein.«
»Das wird nicht gehen,« antwortete der Missionar. »Der König hat davon nichts gesagt, und er hat einen Groll gegen die Buern, weil diese seine Gesandten haben erschießen wollen. Er spielt ein doppeltes Spiel, denn wie Sie wissen, hat er Humbati und Molihabantschi zu den Buern gesandt, um mit ihnen ein Bündnis gegen die Engländer abzuschließen. Mir ist es nicht angenehm, in diese politischen Verhandlungen verwickelt zu sein, denn ein Missionar sollte sich niemals um Politik, sondern nur um die Erfüllung seines Lehramtes bekümmern. Ich hoffe zu Gott, daß sich aus dem allen kein Krieg entwickelt, und vielleicht gewinne ich, so Gott will, Macht über sein Gemüt und bringe ihn dahin, daß er aufhört, Blutvergießen für Heldenthat und für den Zweck seines Lebens zu halten.«
»Mein hochverehrter Herr und Freund,« sagte der Lord, »ich habe mit Bewunderung die Macht Ihrer Überredung bei Titus Afrikaner gesehen, aber ich muß Ihnen doch gestehen, daß ich nicht glauben kann, Sie würden jemals dahin gelangen, Tschetschwajo zu bekehren. Dieser König behauptet seine Herrschaft nur durch blutige Gewalt. Er hat alle die kleinen Könige, welche ehemals in seinem jetzigen Reiche herrschten, im Kriege unterworfen, und er hält sie nur durch Furcht im Zaum. Wollte er aufhören, sie zu bedrücken und jede Unzufriedenheit durch Hinrichtungen zu ersticken, so würden sie sich empören. Denn sie würden einen friedliebenden Herrscher verachten. Ich habe über diese Verhältnisse in England Leute reden hören, die mit der afrikanischen Politik genau vertraut sind. Und ich will Ihnen noch etwas sagen, indem ich für Ihr Wohl besorgt bin: Bleiben Sie nicht zu lange hier, sondern wenden Sie Ihren Einfluß beim Könige zu dem Zwecke auf, daß er Sie entläßt. Sie sind hier nicht sicher. Die Regierung des Kaplandes ist entschlossen, mit den Zulus aufzuräumen. Nachdem wir das Transvaalland für britischen Besitz erklärt haben, fühlen wir uns verpflichtet, für dessen Sicherheit zu sorgen. Es darf den Überfällen der wilden Zulus nicht länger ausgesetzt bleiben. Die Buern sind nicht fähig, sich selbst zu beschützen. Die Regierung Ihrer Majestät ist entschlossen, Tschetschwajo zu vernichten. Schon sind zahlreiche Truppen gelandet, es werden noch mehr nachfolgen, und Ende dieses Jahres oder spätestens zu Anfang des nächsten, werden unsere Truppen von mehreren Seiten aus in dies Land einmarschieren und mit der Zulumacht ein Ende machen. Dann aber sind die Weißen gefährdet, welche hier leben. Der erbitterte König oder auch seine Krieger werden sich für den Angriff an den Weißen rächen wollen, welche in ihren Händen sind. Suchen Sie also bald von hier fortzukommen, mein hochverehrter Freund!«
»Ich danke Ihnen für diese Mitteilung, Mylord,« sagte der Missionar. »Aber ich rate Ihnen doch, bei Ihrer Rückkehr dem Gouverneur Aufschluß über manches zu geben, was er nicht zu wissen scheint. Mich dünkt, die Engländer unterschätzen die Macht Tschetschwajos und auch die Stärke der Buern. Ich bin der Überzeugung, daß starke Truppenmassen nötig sind, um die Zulus zu besiegen. Was aber die Buern betrifft, so kennen die Engländer deren Macht gar nicht. Die Buern sind sehr wohl imstande, sich der Zulus zu erwehren, und ich halte es nicht für recht, daß England das Transvaalland annektiert hat.«
»Wenn ich nach der Tüchtigkeit dieses Buernknaben, des Pieter Maritz, urteilen soll, so sind die Buern allerdings als Krieger sehr hoch zu achten,« sagte der Lord. »Dieser Junge reitet und schießt wie ein junger Gott und hat ein Herz von Gold. Aber die Buern werden wohl nicht alle so sein. England hat eine große Mission in der Welt, und Transvaal sollte sich glücklich schätzen, unter der Königin Schutze zu stehen.«
»Ich wünschte doch sehr, Mylord, Sie wendeten Ihren Einfluß für den Frieden nach jeder Richtung hin auf,« erwiderte der Missionar. »Greifen Sie die Zulus nicht an! Überlassen Sie es dem Christentum, diese wilde Macht zu brechen!«