»Meiner Treu, was ich dazu thun kann, soll geschehen!« sagte der Lord. »Aber wer bin ich? Der Gouverneur wird sich um meinen Rat nicht bekümmern. Ich bin Soldat und habe nur zu gehorchen. Glauben Sie mir: Tschetschwajo ist verloren.«

[Dreizehntes Kapitel]
Königliche Manöver und Jagden

König Tschetschwajo führte seine Absicht aus, den englischen Offizier wie einen Häuptling zu ehren, und er verfolgte dabei hauptsächlich den Plan, diesem seine Macht anschaulich zu machen. Er hatte schon zum Empfange seiner Gäste mehr Truppen in der Hauptstadt zusammengezogen, als für gewöhnlich dort zu sein pflegten, indem er die Regimenter aus den zunächst liegenden Garnisonen hatte heranmarschieren lassen. Das bemerkten die Weißen an der Überfüllung mit Kriegern, deren unmöglich so viele für gewöhnlich in Ulundi versammelt sein konnten. Überall lagen die schwarzen Speerträger in den Hofräumen umher und durchstreiften haufenweise die Gassen. Nunmehr aber brach der König von Ulundi auf, um seine Residenz weiter nach Norden zu verlegen, und er lud seine Gäste ein, ihn zu begleiten, da er ein Manöver zu ihren Ehren abhalten wollte.

Begleitet von den Kriegern seines Hofstaates, machte sich der König am zweiten Tage nach dem Hoffeste auf, als seine Armee schon unterwegs war. Die Weißen sattelten ihre Pferde und schlossen sich dem königlichen Zuge an, sie allein beritten, während der König selbst gleich dem ganzen Heere zu Fuße ging. Denn Pferde gab es sehr wenige im Zululande, und die Armee bestand nur aus einer einzigen Waffengattung, der Infanterie. Nur die obersten Indunas, welche über mehrere tausend Mann kommandierten, waren beritten.

Die schwere Figur des Königs erlaubte ihm nicht, so weit und schnell zu marschieren, wie seine Truppen zu marschieren pflegten, gleichwohl wurde an diesem Tage gar manche Meile zurückgelegt. Gegen Abend kamen sie auf einer weiten Ebene an, wo ihnen viele Feuer schon von weitem verkündigten, hier sei der Sammelplatz der Armee. Dichte lange Reihen von Kriegern waren aufgestellt, um den König zu empfangen, und eine Anzahl bienenkorbförmiger Hütten war in aller Eile errichtet worden, um ihn und sein Gefolge aufzunehmen. Auf zwanzig Eseln und auf den Köpfen von hundert Trägern wurden Speise und Trank herbeigeschleppt.

Am folgenden Morgen bot sich den Weißen das Schauspiel einer Armee von wohl zwanzigtausend Mann, welche regimenterweise aufmarschiert war, um das Manöver auszuführen. Einige der Regimenter zählten nur vierhundert oder fünfhundert Mann, andere waren bis zu zweitausend Mann stark. In jedem Regiment waren die Krieger gleichen Alters, die jüngsten Regimenter bestanden aus Leuten von fünfzehn und sechzehn Jahren, die jedoch schon schlank und groß, obwohl nicht stark waren. Mit ohrenbetäubendem Gesang empfingen sie den Monarchen, als er mit seinem Hofstaat herankam, um sie zu besichtigen. Er zog unter diesem Gesange an ihren langen Reihen vorbei und stellte sich dann auf einem Hügel auf, von wo er den Bewegungen der Truppen zusehen wollte. Hierbei ließ er den Lord neben sich stehen und bediente sich der Vermittelung des Missionars, um sich mit ihm zu unterhalten. Er erklärte dem jungen Engländer, während die schwarzen Regimenter sich ordneten, daß in seinem Volke jeder kräftige Mann dienen müsse. Schon als Knaben würden die männlichen Einwohner unter Offizieren vereinigt, um es zu lernen, zu marschieren, zu laufen, den schweren Schild zu tragen und den Speer zu führen. Dann würden sie je nach dem Alter zu Regimentern vereinigt. Niemand dürfe heiraten ohne königliche Erlaubnis, und diese Erlaubnis werde auch nicht den einzelnen Leuten, sondern gleich ganzen Regimentern verliehen. Sie sei die Belohnung für ausgezeichnete Kriegsdienste, denn nur solche Regimenter, welche bereits im Felde und in der Schlacht ihre Tüchtigkeit bewährt hätten, erhielten Frauen zugewiesen. Aus diesen erprobten Regimentern würden die Offiziere genommen welche die jungen Regimenter befehligten, und deshalb sei die Bezeichnung »verheirateter Mann« ein Ehrentitel in der Armee. Die Offiziere führten diese Bezeichnung als Titel.

Das Manöver bestand aus regelrechten Bewegungen der Truppen. Sie waren in zwei große Schlachthaufen formiert, deren jeder von einem Bruder des Königs befehligt wurde. Der eine hieß Dabulamanzi, der andere Sirajo. Diese beiden ritten auf Pferden und saßen nackend auf Tigerfellen, die anstatt der Sättel dienten, ohne Steigbügel. Die Regimenter wurden in dichte Kolonnen formiert, dann wieder zu langen Linien auseinander gezogen, machten Schwenkungen und bildeten verschiedenartige Schlachthaufen, welche auf ein bestimmtes Zeichen gegen einen und denselben Angriffspunkt losstürmten. Der Lord war erstaunt über die Genauigkeit, mit welcher alle diese Bewegungen ausgeführt wurden, vor allem aber über die Schnelligkeit, mit welcher die Truppen sich bewegten. Sie machten die meisten Evolutionen im Laufschritt, und dieser Laufschritt war viel stärker, als ihn der Engländer je gesehen hatte. Ermüdung schienen diese Truppen nicht zu kennen.