Tschetschwajo, der sich durch Boten über die Anwesenheit von Elefanten an den Ufern des Schwarzen Umvolosi hatte unterrichten lassen, brach nach kurzer frugaler Mahlzeit auf, und seine gesamte Begleitung folgte ihm. Es ging noch weiter nach Norden, und den ganzen Tag, bis zum Abend, wurde marschiert. Das hügelige Land wurde immer gebirgiger, je weiter der Marsch ging, schroffe Berge stiegen auf und dunkle Thäler wurden durchschritten. Endlich, als die Sonne sank, wurde der Fluß erreicht. In einem Thale wurde Halt gemacht und gespeist, während ein Induna vom Hofe, der das Amt eines Hofjägermeisters versah, mit einer Jägerschar weiterging, um die Elefanten zu suchen. Dann, als der Mond aufgegangen war, brach der König wieder auf und folgte dem Hofjägermeister, welcher inzwischen Nachricht über die gesuchten Tiere gebracht hatte.

Eine wunderbare Beleuchtung herrschte im Umvolosi-Thale, indem das felsenreiche Ufer mit seinen schroffen Höhen von oft seltsamer Form den Schein des Mondes hier hemmte, dort in voller Klarheit durchdringen ließ. An einigen Stellen zogen sich Thäler, welche die Höhenzüge quer durchbrachen, zum Flusse hin, und die niedrig stehende helle Planetenscheibe leuchtete an solchen Stellen mit silbernem Glanze über den Fluß hin und gab den stachligen Gewächsen, welche das Wasser umsäumten, durch den Wechsel von Licht und Schatten oft höchst sonderbare Formen. Nicht selten stockte der Zug, indem die vorangehenden Jäger, durch die eigentümliche Gestaltung eines Busches getäuscht, die dunkle Masse oder in dem vorgestreckten Ast einer Euphorbiazee den Rüssel eines Elefanten zu sehen glaubten. Oft gelang es nur mit Mühe, den Weg fortzusetzen, da Urwald bis an das Wasser herantrat und nur der Pfad, den die Elefanten selbst hier gebahnt haben mußten, hindurchführte. An manchen Punkten lagen starke verwitterte Baumstämme halb im Wasser, halb am Ufer, und während zugleich dunkle Körper sich im Flusse bewegten, welche als Alligatoren erkannt wurden, entstand oft der Zweifel, ob der lang gestreckte Schatten am Wege ein gestürzter Baum oder der schuppige Leib des gefährlichen Amphibiums sei. Die Weißen ritten nebeneinander hinter der Schar der Blauschilde, und das Herz der jungen Leute klopfte vor Erwartung. Der Missionar jedoch ritt ruhig seines Weges, und der gedankenvolle Ausdruck seines Gesichts zeigte, daß sein Geist mit andern und höheren Gegenständen beschäftigt war.

Jetzt ging eine Bewegung durch den lang gestreckten Zug. Von der Spitze aus pflanzte sich ein leises Flüstern und ein Winken fort, und alle hielten an. Der König, welcher an seinem Stabe dahinschritt und der Schar des Hofjägermeisters folgte, gab den Blauschilden Befehl, seitwärts abzubiegen und in einem weiten Bogen wieder an den Fluß heranzukommen. Als die Schwarzen sich nun geräuschlos seitwärts geschlichen hatten, so daß der Weg frei geworden war, ritten die drei Weißen vorwärts und gelangten an die Stelle, wo der König stand. Er wies mit ausgestreckter Hand nach vorn, und die Weißen erblickten nun in der Entfernung von etwa tausend Schritten mehrere dunkle Gestalten, die sich am Saume des Wassers und im Wasser selbst bewegten. Deutlich sah man die schwarzen Körper sich von der glänzenden Oberfläche des Flusses abheben, und ihre Größe ließ keinen Zweifel darüber, daß es die Tiere seien, welche Gegenstand der nächtlichen Jagd waren. Zu der Stelle hin, wo sie badeten und tranken, führte ein Seitenthal, und offenbar war hier ihre gewohnte Tränke. Der König hatte die Blauschilde abgeschickt, um aus jenem Thal hervor gegen die Tiere vorzubrechen und ihnen dort den Weg zu verlegen, falls sie etwa die Annäherung der Jäger bemerken und durch das Seitenthal entfliehen sollten. Der König selbst ging mit seiner Begleitung langsam weiter, um den Blauschilden Zeit zu lassen, herumzukommen. Er trug jedoch selbst keine Waffe und hatte augenscheinlich nicht die Absicht, sich selbst an der Jagd zu beteiligen, sondern wollte nur zusehen, wie seine Jäger die Tiere erlegten. Als man den Tieren so nahe gekommen war, daß man sie zählen und ihre Rüssel und Stoßzähne erkennen konnte, ging der König nicht weiter, sondern stieg seitwärts auf einen Felsen, von wo aus er das Flußthal übersehen konnte. Dorthin ließ er sich vom Missionar und von Lord Fitzherbert sowie einer kleinen Schar Indunas begleiten. Alle stiegen hinauf und stellten sich auf einen Vorsprung, der wie eine Tribüne gestaltet war. Hier konnten sie den Verlauf der Jagd in Sicherheit verfolgen.

Pieter Maritz stieg vom Pferde, froh, daß er die Jäger begleiten konnte, und übergab Jager einem der Diener, welche zurückblieben. Dann schloß er sich dem Hofjägermeister an und schlich mit diesem im Schatten der Uferbüsche vorwärts. Hinter einem Weidenstrauche niedergeduckt, sah er die gewaltigen Tiere bald in geringer Entfernung vor sich. Es waren ihrer zehn große, dazu noch drei kleine, welche ganz jung waren. Langsam patschten die Elefanten mit ihren säulenartigen Beinen im flachen Wasser herum, sogen ihre Rüssel voll und bespritzten sich ihr dunkles Fell, wälzten sich im Schlamm und wedelten mit den kurzen Schweifen. Ein Tier von ungeheurer Größe, welches bis an die Kniee im Flusse stand, schien der Führer der Herde zu sein. Es erhob zuweilen den Kopf und lauschte, es zeigte einige Unruhe und überließ sich nicht mit der Behaglichkeit der andern dem Genusse der schönen Nacht. Seine langen, spitzen, nach oben gekrümmten Stoßzähne glänzten wie Silber. Der Mondschein war so rein und klar, daß Pieter Maritz jede Bewegung der Tiere genau verfolgen konnte. Er sah die kleinen Augen, sah die riesigen Ohren, welche am Kopfe herabhingen und von denen ein jedes einen Mantel für einen der Zulus hätte abgeben können, sah die blinkenden Wassertropfen über die dicke Haut hinlaufen.

Jetzt sah Pieter Maritz die schwarzen Gestalten der Jäger, in deren Händen die Speerspitzen glänzten, neben sich vordringen und nahe an die Elefantenherde heranschleichen. Er wußte nicht, wie diese Leute es machen würden, um die Tiere zu erlegen, und er selbst getraute sich nicht, sich in die Jagd einzumischen. Er hatte seine Büchse, aber er wollte nicht schießen, weil er fürchtete, der Knall des Schusses möchte die beabsichtigte Jagd stören und den Zorn des Königs erregen. Auch glaubte er nicht, mit seiner Büchse Erfolg bei den dickhäutigen Kolossen haben zu können, wenn er nicht etwa mit der Kugel ins Auge träfe. Er war etwa zweihundert Schritte von dem nächsten Tiere entfernt, dort blieb er und wühlte sich in die Schlinggewächse ein, welche den Boden bedeckten. Vor ihm lag ein gebogener starker Ast, über welchen er hinwegsah, sonst war er ganz im Grün und im Schatten vergraben, indem er platt am Boden lag. Doch hatte er die Büchse vor sich und legte deren Lauf auf den Ast, wobei er über das Visier und Korn hinguckte und unwillkürlich auf das Auge des größten Elefanten zielte.

Mit einem Male machte sich inmitten des Plätscherns und Rauschens, welches die Tiere im Wasser verursachten, eine Stille bemerklich. Der Führer der Herde schnob und alle andern Tiere standen still. Dann ging der Führer ans Land, erhob den Rüssel und zog die Luft ein, während er zugleich die Ohren absperrte, um jeden Laut aufzufangen. Er mußte die Annäherung der Jäger bemerkt haben, denn nun stieß er einen trompetenartigen Warnungsruf aus, und die andern Tiere fingen an, sich schwerfällig nach ihm hin zu bewegen. In diesem Augenblick sprangen wohl vierzig Jäger unter Leitung des Hofjägermeisters aus dem Ufergebüsch auf und rannten gegen die Tiere los. In größter Aufregung sah Pieter Maritz zu.

Die Hälfte der Jäger griff den riesigen Führer der Herde an. Jetzt, wo er am Ufer hinschritt, sah Pieter Maritz deutlich, wie gewaltig groß er war. Wie ein Riese wandelte er, der von Zwergen angegriffen wird. Zwei der Zulus stellten sich ihm in den Weg und liefen dann fort, um ihn zur Verfolgung zu reizen, die übrigen lauerten seitwärts, um ihm, wie Pieter Maritz vermutete, ihre Speere in die Rippen zu rennen. Aber der große Elefant bekümmerte sich um nichts. Er stieß noch einmal, und jetzt viel stärker, den trompetenartigen Ton aus, und als sich nun sämtliche Tiere hinter ihm versammelt hatten, wobei sie die Jungen in die Mitte nahmen, schwang er den Rüssel hoch durch die Luft und stürzte mit weit abstehenden fliegenden Ohren geradeaus in das Querthal. Sämtliche andern Elefanten rannten hinter ihm her. Sie brachen in das Ufergebüsch und das Holz im Thale mit unaufhaltsamer Gewalt ein, und ein Geräusch von krachenden Stämmen und Ästen, von niedergetretenen Sträuchern, ein seltsames Rasseln und Dröhnen erhob sich, wie Pieter Maritz dergleichen noch niemals vernommen hatte. Die Jäger blieben zur Seite stehen, nachdem sie auseinander geflohen waren, und noch hatte kein Speer die Tiere berührt. Aber nun erhob sich noch ein anderer Lärm im Thale, der gellende Ruf der Blauschilde. Sie verlegten den Elefanten den Weg und wollten sie zum Flusse zurückscheuchen. Ein entsetzliches Getöse scholl aus dem Thale hervor in die milde und bezaubernde Tropennacht. Das Trompeten der starken Tiere übertönte den Ruf der Krieger, und deutlich war an manchem Angst- und Schmerzensruf zu erkennen, daß die unerschrockenen Zulus, welche ihr Leben einsetzten, um ihren König und dessen Gäste zu unterhalten, einen schweren Kampf zu bestehen hatten und die Rüssel und Stoßzähne der Elefanten zu spüren bekamen. Dann brachen mehrere der Kolosse wieder rückwärts aus dem Thale hervor, und ihre Erscheinung bewies, daß wenigstens teilweise der Plan der Jagd in Erfüllung gegangen war, wenn auch mehrere der Elefanten durchgebrochen sein mochten.

Voran stürmte der große Elefant, welcher der Führer war. Aber Pieter Maritz bemerkte zu seiner Verwunderung, daß er nicht sowohl auf Flucht bedacht zu sein schien, als darauf, seine Begleiter und die Jungen zu beschützen. Vier Tiere, kleiner als er, aber doch gewaltig groß, waren neben ihm, und alle drängten sich um die Jungen zusammen. So nahmen sie ihren Weg gerade auf die Stelle zu, wo Pieter Maritz versteckt lag. Sie schienen den Fluß entlang laufen zu wollen. Kaum war der große Führer aber wieder erschienen, als der Hofjägermeister, eine athletische, ganz nackte Gestalt sich ihm entgegenwarf und mit ihm seine Jägerschar. Es galt, dem König ein würdiges Schauspiel zu bereiten. In großen Sätzen bewegte sich der Hofjägermeister, den Speer in der Faust, vor dem Elefanten her, während die Jäger nach den Hinterbeinen des Tieres liefen, um es in die Sprunggelenke zu stechen und es zu lähmen. Aber trotz seiner Gewandtheit und Elasticität kam der Hofjägermeister zu schaden. Der Elefant ergriff ihn mitten in einem Seitensprunge mit dem Rüssel an seiner künstlichen Frisur, schwang ihn hoch durch die Luft, schmetterte ihn zu Boden und zertrat ihn im Augenblicke darauf zu einem blutigen Brei. Doch gleich darauf kehrte der Elefant sich um. Er fühlte die Spitzen mehrerer Speere in seine Hinterfüße eindringen. Wütend packte er einen der Jäger, die ihn verwundet hatten, schleuderte ihn nieder und bohrte ihm den Stoßzahn durch die Brust. Aber die behenden Jäger waren schon wieder hinter ihm, und nun zerschnitten die breiten Speerklingen ihm die Sehnen an beiden Füßen, und stöhnend sank das mächtige Tier mit dem Hinterteil zu Boden, während ein Blutstrom die Erde färbte.

Die Elefantenjagd.