Nun sah Pieter Maritz eine Scene, welche ihn rührte und tief bewegte. Die andern Tiere, obwohl ebenfalls von Jägern umschwärmt, drängten sich an den Gefallenen heran und suchten ihn mit ihren Rüsseln aufzurichten, wobei sie klagende Töne ausstießen, er aber schlang den Rüssel um ein Junges, das ihm nahe war, als wollte er es vor den Waffen der Feinde beschützen. Wie Teufel umsprangen die heulenden Zulus die Kolosse, die einander hilfreich beistanden.

Bald ward die Gruppe gesprengt. Aus dem Thale hervor brachen die Blauschilde, und dicht wie Fliegen schwärmten die nackten schwarzen Gestalten umher. Sie griffen die Tiere von allen Seiten an, Hunderte von Assagaien sausten durch die Luft und bohrten sich in die großen Leiber ein, und obwohl gar mancher der tollkühnen Jäger das Leben lassen mußte, indem er durchbohrt, zertreten und in die Luft geschleudert ward, so wurden die Tiere doch voneinander getrennt und einzeln umringt. Jetzt durchbrach ein Elefant, dem wohl zehn Assagaien im Rücken und in den Flanken steckten, den Jägerkreis und lief mit hoch gehobenem Rüssel in seiner Flucht auf den Platz zu, wo Pieter Maritz lag. Es war für den Knaben keine Zeit mehr, aufzuspringen und davonzulaufen. Er blieb ruhig liegen, denn wenn er sich erhoben hätte, würde ihn das Tier mit dem Rüssel gepackt haben. Als aber der Elefant gerade über ihm erschien und seine gewaltig stampfenden Füße unmittelbar neben dem Kopfe des Knaben niedertraten, da schoß Pieter Maritz seine Büchse, ohne zu zielen, gegen die riesige schwarze Gestalt ab und schrie dazu unwillkürlich mit voller Kraft seiner Lungen. Das Tier mochte wohl über den Schuß und das Geschrei, während es keinen Feind sah, verwundert sein, denn es stockte im Laufe, trompetete laut und wandte sich seitwärts. Bald hatten die Jäger es dann wieder eingeholt, da es infolge seiner Wunden nur noch langsam laufen konnte, und auch dieser Elefant sank zu Boden.

Bald waren alle Tiere zu Falle gebracht und bluteten aus Hunderten von Wunden. Aber es dauerte fast eine Stunde, bis sie tot waren, denn die Wunden gingen sämtlich nicht tief, und nur langsamer Blutverlust ließ die Tiere sterben. Mit vorwurfsvollem Blick ihrer klugen Augen sahen sie bis zum letzten Augenblick ihre unerbittlichen Mörder an, von denen sie beständig umschwärmt und beständig von neuem verwundet wurden, und umschlangen, selbst sterbend, die toten Jungen zärtlich mit dem Rüssel.


[Vierzehntes Kapitel]
Mainze-kanze = Laßt den Feind kommen!

Nachdem am folgenden Morgen der König mit der Jagdgesellschaft gespeist hatte und nachdem den erlegten Elefanten die Stoßzähne ausgebrochen und den Trägern aufgepackt worden waren, ließ Tschetschwajo den Marsch am Flusse hin fortsetzen, und zwar in südöstlicher Richtung. Doch verließ der Zug die unmittelbare Nähe des Wassers und wählte den gangbarsten Weg über die Höhenzüge hin. Nach dreistündigem Marsche begegnete ihnen ein anderer kriegerischer Zug, und dessen Führer verneigte sich tief vor dem Könige, der ihn alsdann in seine Arme schloß. Die Weißen erkannten in dem Führer den Bruder des Königs, den Prinzen Dabulamanzi.

Der Prinz kam an Höhe des Wuchses seinem Bruder gleich, und da er nicht so fett war wie dieser, sondern alle seine Glieder kriegerische Übung und Gelenkigkeit verrieten, so bot seine Gestalt einen schönen Anblick. Er war dem Könige ähnlich, doch war er wohl zehn Jahre jünger, und sein Gesicht war angenehm und sehr männlich. Sein Haar war weder in Locken gedreht, noch aufgetürmt, noch über den Ohren abrasiert, sondern nur kurz gehalten wie bei europäischen Offizieren, und es bedeckte den Kopf wie ein kurzer krauser Pelz. Ein einfacher goldener Ring, etwa daumensdick, saß einer Krone gleich auf dem Kopfe, ebenso umgab eine goldene Kette, deren Ringe sehr dick waren und ganz nahe aneinander geschoben waren, den Hals. Sonst trug der Prinz weder Schmuck noch Kleidung. Nur der kleine Schurz von Löwenfell umgürtete seine Hüften. Was aber den Weißen sehr auffiel, war die Art seiner Bewaffnung. Er trug ein Gewehr, einen Hinterlader, in der Hand, und ein dünner Lederriemen, der über die rechte Schulter gehängt war, hielt eine Patrontasche. Ebenso war sein Gefolge nackt und mit Hinterladern bewaffnet.

Der König schien das Eintreffen des Prinzen erwartet zu haben und setzte mit ihm seinen Weg fort. Nach kurzer Zeit erreichte man den Gipfel eines kleinen Berges, von dem sich eine weite Aussicht bot, und nun hatten die Weißen einen Anblick, der sie sehr überraschte. Sie übersahen ein weites, grünes Thal, das von vielen kleinen Höhen unterbrochen war. In diesem Thale konnten sie den Lauf zweier hell glänzender Flüsse, des Schwarzen und des Weißen Umvolosi, verfolgen, welche sich zwischen felsenreichen Ufern dahinwanden und in der Ferne ineinander strömten. Zwischen beiden Flüssen, in dem Winkel, den sie bildeten, lagen mehrere jener ihnen bekannten dunklen Kränze, der Kraale, welche aus einem Ringe von Hütten um einen großen freien Platz gebildet sind. Vor diesen Kraalen aber blitzte es von Waffen: eine ganze Armee war dort aufgestellt.