Die Zulus schossen, aber ihre Kugeln trafen wohl in den Kopf und den Hut der Figur, aber unter neun Schüssen hatte noch keiner das Auge getroffen. Da traf der zehnte, und der König nickte befriedigt. Aber alle andern fehlten wieder das Ziel. Die Augen rollten fürchterlich in den schwarzen Gesichtern, die weißen Zähne glänzten, und hohe Aufregung verbreitete sich unter dem königlichen Gefolge wie unter den Gardisten.

Pieter Maritz aber war von Ehrgeiz gestachelt. Es hatte ihn geärgert, daß die Zulus nach einer Scheibe schossen, welche einen Buer darstellte, und er wollte ihnen zeigen, von welcher Art die Buern wären.

»Dies ist kein Ziel für einen Buer,« sagte er stolz. »Es ist viel zu groß. Der König möge eine Kranichfeder auf eine Speerspitze stecken und den Speer weiter entfernt aufstellen lassen.«

Diese Worte wurden dem König übersetzt, und er sandte einen Induna aus, um das neue Ziel zu stecken. Auf dreihundert Schritte wurde ein Speer in den Boden gestoßen, und eine kleine schwarze Feder auf dessen Spitze gesteckt. Es war ein Ziel, welches für den Lord wie für den Missionar gar nicht mehr zu sehen war, nur die scharfen Augen der Zulus und des Buernknaben, durch Lesen nicht verdorben und an freier Luft auf der Jagd und im Kriege geübt, sahen das schmale, von der Luft bewegte Ziel.

Der König ließ zuerst die Zulus schießen. Aber sie schossen alle vorbei, bis auf den Mann, der vorhin das Auge getroffen hatte. Dieser traf zwar nicht die Feder, aber seine Kugel zerschmetterte den Schaft des Speeres, dicht unterhalb der Spitze.

»Gut! Sehr gut!« rief der König, und er ließ einem seiner Hofherren den goldenen Armring abstreifen und dem glücklichen Schützen überreichen.

Aber ein neuer Speer ward aufgerichtet und die schwarze Feder darauf gesteckt. Pieter Maritz trat an den Platz, den der Zulu verließ, setzte den linken Fuß vor und hob langsam die Büchse. Eine Sekunde lang zielte er, und in diesem Augenblicke konnte kein Felsen unbeweglicher stehen als er. Nun blitzte der Schuß, und die kleine Feder war verschwunden, der Speer aber stand noch, wie er gestanden hatte.

Der König rief Beifall, aber in seinen Augen loderte düstere Wut. »Hier,« sagte er, sich bezwingend, und indem er einen der goldenen Ringe vom Finger zog, »hier hast du eine Belohnung für dein Schießen. König Tschetschwajo dankt dir für das Schauspiel, das du ihm gegeben hast.«

Dann aber wandte der König sich um und ging mit seinem Gefolge von dannen. Pieter Maritz betrachtete den Ring. Derselbe war sehr dick und schwer, und ein Rubin funkelte darin. Doch war der Ring viel zu weit für des Knaben Finger, und er zog deshalb einen dünnen ledernen Riemen durch und hing ihn um den Hals. Der Missionar stand mit besorgtem Blick dabei. Er fürchtete des Königs Ungnade.

In der That war der König zornig. Das ganze Manöver hatte ihm mißfallen, und das Schießen des Buernknaben hatte seinen Unmut auf die Spitze getrieben. Doch ließ er seinen Zorn in einer andern Richtung aus, als der Missionar befürchtet hatte. Er versammelte seinen Hofstaat und die höchsten Indunas von der Armee Dabulamanzis um sich und ließ den Kommandanten des Garderegiments, Humbatis Bruder, vor sich treten.