»Lege den Schild und den Speer ab!« rief er mit drohendem Tone dem Induna zu.

Dieser Ruf erfüllte die Herzen aller Anwesenden mit Schrecken, denn sie wußten, was er zu bedeuten hatte. Humbati, welcher neben dem Missionar stand, verfärbte sich und streckte ängstlich teilnehmend den Kopf vor. Voll Mitleid blickte der Missionar auf den Induna, der nun gehorsam die Waffen zu Boden legte. Es war ein schöner schlanker Mann, mit klugem Gesichte, das Haupt mit dem goldenen Ringe geziert. Nun kniete er vor dem König nieder, und ein tiefes Schweigen herrschte in der Versammlung.

»Ich bin mit deinem Regimente nicht zufrieden,« sagte Tschetschwajo. »Es ist das Regiment des Königs, und es soll andern Kriegern als ein Muster vorleuchten. Es soll um die geheiligte Person des Königs selbst sein. Du hast aber die Krieger geführt, als ob sie eine Herde Ochsen wären.«

Der Induna hielt seine glänzenden schwarzen Augen auf das Gesicht des Königs geheftet, und obwohl er in demütig knieender Stellung war, prägte sich Würde und Stolz in seiner Haltung aus. Kein Muskel zuckte weder in den schlanken Gliedern noch in dem edel geschnittenen Antlitz.

»Du bist ein toter Mann,« fuhr der König fort. »Aber« — er wandte sich halb zu dem Missionar — »ich will heute thun, was ich noch nie gethan habe: ich will dein Leben schonen um meines Vaters und Freundes willen, welcher es nicht liebt, Blut zu sehen. Ich weiß, daß sein Herz weint beim Blutvergießen, und deshalb darfst du leben. Er ist aus einem fernen Lande gekommen, um mich zu sehen, und er hat mein Herz weiß gemacht. Er sagt mir, es sei ein schreckliches Ding, jemandes Leben zu nehmen, weil es niemals wieder ungeschehen gemacht werden kann. Ich wünsche, daß er, wenn er heimkehrt, um seinem Könige den Gruß Tschetschwajos zu bringen, ein Herz hat, das so weiß ist wie meines. Seinetwegen schone ich dich, denn ich liebe ihn. Aber du mußt für dein ganzes Leben erniedrigt werden. Ich kann dich nicht an der Spitze meines Regimentes lassen. Du sollst nicht mehr mit den Edlen des Landes umgehen, noch in die Städte der Fürsten kommen dürfen, noch am Tanze bei den königlichen Festen teilnehmen. Nimm den Speer und den Schild wieder auf und tritt in das Regiment ein, welches fern am großen Wasser liegt.«

Der Induna senkte das Haupt, dann aber erhob er es wieder, kreuzte die Arme über der Brust und erwiderte: »O, König, betrübe nicht mein Herz! Ich habe deine Ungnade verdient, laß mich erschlagen wie einen Häuptling. Ich kann nicht unter dem niedrigen Volke leben.« Dann legte er die Hand an den goldenen Ring und fuhr fort: »Wie kann ich unter den Hunden des Königs leben und dies Ehrenzeichen schänden, welches ich unter den Mächtigen trug? Nein, ich kann nicht länger leben, laß mich sterben, o Pezulu!«

»Gut,« sagte der König. »Dein Wunsch möge geschehen!«

Auf seinen Wink traten Krieger heran, welche dem Verurteilten die Hände über dem Kopfe zusammenbanden, und dann ward er hinausgeführt, zwei Männer auf jeder Seite. Humbati machte eine Bewegung, als wollte er dem Bruder folgen, aber er besann sich und murmelte, so daß der König es hören konnte: »Der König ist gerecht, er ist sehr weise, Humbati kennt seinen Bruder nicht mehr.«

Doch der Lord flüsterte dem Missionar zu: »Wenn ich der König wäre und hätte Humbatis Blick gesehen, so würde ich unruhige Nächte haben.«

Ein Herr vom Hofe ward dem Verurteilten nachgesandt, und Pieter Maritz stahl sich seitwärts, um zu sehen, was mit dem unglücklichen Befehlshaber der Garde geschehen würde. Es war nicht Lust an grausamen Handlungen, was ihn zog, sondern innige Teilnahme, die ihn fast wider Willen trieb. Er folgte dem kleinen Zuge zu einem Platze neben dem Kraal, der auf der Höhe an der Vereinigung der beiden Flüsse lag. Dort neigte sich ein Felsen senkrecht zum Wasser hinab. Hierher ließ der Induna aus dem Hofstaat den Verurteilten führen. Pieter Maritz sah hinunter. Breit und glänzend strömte unten das Wasser, und weithin schweifte der Blick jenseits des Flusses über Berg und Thal. Er sah den stolzen Krieger an, welcher zum Tode ging, und sah ihn gelassen dahingehen. Ein träumerischer Ausdruck lag auf dem schönen schwarzen Antlitz, und seine Lippen zuckten verächtlich, als trüge das Bewußtsein seiner Würde den tapferen Anführer über die Schrecken des Todes hinweg. Viele Krieger sahen aus der Entfernung zu, als der kleine Zug an den Rand des Felsens hintrat, und tiefes Schweigen herrschte unter ihnen.