Dies beabsichtigte Heinrich eben und rücksichtslos, wie immer jugendliche Verkündiger ernster Wahrheiten, fuhr er fort: »Bald traf ich mit einem Landsmann zusammen, einem Maler, der desselben Weges zog wie ich, und als die Rede gerade auf den von mir wahrgenommenen Mangel an Singvögeln in der paradiesischen Gegend kam, fragte ich ihn nach der Ursache dieser Erscheinung. Er antwortete mir, daß nur die furchtbaren Nachstellungen der Menschen nach und nach die Wälder und Fluren dieses Striches von den kleinen Sängern entblößt hätten. Da dacht' ich an meine Heimath und den hier getriebenen Vogelfang, und mir war bange darum, daß da auch eintreten möchte, was ich dort zu beklagen fand. Später gingen wir durch eine große Kastanienpflanzung, die fast ganz abgestorben war. Die wenigen noch grünen Bäume waren mit Schaaren von Raupen bedeckt. Es war ein trauriger Anblick – ich dachte an alle die Arbeit, die hier vergebens aufgewendet, an alle die Hoffnungen, welche vernichtet waren. Offenbar war die Pflanzung ein Opfer des Raupenfraßes, und ein Landmann, den mein Gefährte fragte, bestätigte dies. »So rächt sich jetzt an den Kindern, was ihre Väter gesündigt haben,« sagte der Maler, »hätten diese die Singvögel nicht von Wald und Flur vertilgt, so hätte das zerstörende Insekt nie so mächtig werden können, als es hier geworden.« Ich schrieb mir das hinter die Ohren und will's auch mein Leben lang nicht vergessen. Und ich hab' noch viel über den Gegenstand nachgedacht, und es ist mir immer klarer geworden, daß das Wegfangen der Singvögel eine Sünde sei und daß ein Vogelsteller Gott nimmermehr gefallen, ja schwerlich in den Himmel kommen könne.«

»Hoho!« rief der Schänkwirth, »wer's glaubt, wird selig.«

»Nein, der ist ein Esel!« polterte Meister Unger.

»Es ist dummes Zeug,« sagte der Obermeister der Fünfzehnerzunft, »schmeckt nach Pfaffen – fort damit!«

»Ja, fort damit!« schrie der Gimpelmonarch. »Wirth, noch einen Eibenstöcker! Das fehlt noch, daß so ein Gelbschnabel uns Mores lehren will!«

»Der Sacher hat aber Recht,« erklärte der Förster.

»Bei Euch Grünröcken,« erwiederte Unger, das ihm gereichte Glas Branntwein hinabstürzend, »Ihr möchtet nur allein im Walde Herr sein, es soll kein anderer Mensch sein Vergnügen darin haben. – Weiß Er was, Sacher: geh' Er lieber hin, wo Er hergekommen ist, wir brauchen in Wellersgrün keine Neuerer und Weltumstürzer, wie Er ist – geh' Er wieder nach Paris, wo dergleichen hingehören!«

Heinrich schwieg, aber seine jüngern Freunde drangen jetzt ungestüm auf den Gimpelkönig ein. »Das leiden wir nicht,« schrieen sie, – »das ist schändlich, ein Wellersgrüner Kind so zu behandeln!«

»Ein Wechselbalg mag er sein und kein Wellersgrüner!« rief Meister Unger, aber sogleich saß ihm ein Schlag im Gesicht.