»Ums Himmelswillen, keine Schlägerei!« rief Heinrich und warf sich zwischen den Angegriffenen und die Angreifer – da fuhr ein Bierglas durch die Luft, im Nu war die Schänkstube in ein Schlachtfeld verwandelt, wo zwischen zwei an Stärke fast gleichen Parteien ein erbitterter Faustkampf geführt wurde. Die Ursache des Kampfes selbst, Heinrich, gab sich alle Mühe, ihn beizulegen – umsonst; – er bat, er flehete, er weinte – er ließ sich sogar von dem ergrimmten Gimpelkönig einen Schlag versetzen, ohne ihn zu erwiedern, – es war vergebens, der Kampf wurde nur erbitterter – bis »Rußbuttenlobel« außerhalb eines Fensters erschien, sich durch den offenen Flügel auf die innere Brüstung schwang und mit vorgehaltenem Spieß ausrief: »Ruhe! im Namen der Obrigkeit, Ruhe! eh' Ihr's Euch versehen werdet, ist der Gensd'arm hier!«
Das wirkte. Die Parteien trennten sich; die Anhänger Heinrichs meinten, man müsse ja nicht bei den »Dickköpfen« sein, und alsbald zogen sie ab und hinauf auf den Tanzboden, wo sie, namentlich dem weiblichen Theile der Gesellschaft, ganz willkommen waren. Heinrich nahm aber traurig in einem Seitenzimmer Platz, und während seine Kameraden walzten, versank er in tiefes Sinnen.
3.
Eine geraume Weile saß Heinrich gedankenvoll allein, als er seine Schulter von einer Hand berührt fühlte und aufblickend Rußbuttenlobel neben sich sah. Heinrich reichte ihm stumm das Glas dar; Lobel trank daraus, gab ihm die Hand und sagte:
»Es war eine Finte mit dem Gensd'arm, Vetter! Ich wollt' Euch nur auseinander haben.«
»Ich danke Dir, Vetter!« erwiederte Heinrich – »ach, ich möchte weinen wie ein Kind über diesen Empfang in der Heimath. Wie hab' ich mich in der Fremde draußen auf diesen Tag gefreut – und nun muß er mir so verdorben werden!«
»Wie konntest Du auch dem Meister Unger so auf sein bestes Hühnerauge treten?« sagte Lobel. »Hast Du denn gar nicht ans Hannel gedacht? Drunten sitzt der alte Vogelfried nun, und tobt und schimpft auf Dich, und sagt ganz unverholen, er wisse wohl, daß Du ein Auge auf seine Tochter hättest, aber eher woll' er sie dem Rußbuttenlobel – also mir – geben, denn so einem Neuerer und Weltverbesserer, wie Du wärest. Wenn das arme Hannel dies wüßte!«
»Ei was wird die sich darum härmen!« erwiederte Heinrich, »wer weiß, will sie noch etwas wissen von mir! Damals, wie ich mit ihr ging, war sie noch ein halbes Kind und ich selbst hinter den Ohren nicht trocken, und inzwischen sind drei Jahre vergangen – ich hab' ihr nie geschrieben – Lobel, lassen wir das Mädel sein – ich weiß ja auch nicht, ob sie heute noch nach meinem Sinne wäre!«