»Sieh sie nur einmal, Heinrich!« fiel der Andere ein, »ich wette meinen Spieß gegen was du willst, sie gefällt dir jetzt noch besser, denn sonst – ach, die Augen werden Dir übergehen, wenn Du sehen wirst, wie das voll und schlank, und blumig und samig geworden ist, so voll Lieblichkeit, daß man's immer anschauen und drüber beten und fluchen vergessen möchte! Komm mit; sie erwartet Dich!«

»Wo?«

»Daheim, bei ihrer Mutter.«

»Wo denkst Du hin, Lobel! Nach dem, was hier vorgefallen ist, kann nicht die Rede davon sein, daß ich die Schwelle des Unger'schen Hauses betrete. Ich hätte nach dieser Geschichte lieber Lust, wieder in die Fremde zu gehen.«

»Und Deine alte Mutter zu verlassen – und das traute Hannel! Du denkst, das Mädel hat Dich vergessen? Das weiß ich besser. Denk' nur, wie ich vorhin zum Kaffee unten war, da erzählt' ich der ganzen Gesellschaft, daß Du da wärest. Da schrie sie laut auf, wurde über und über roth, und als ich sie mit Dir aufzog, rannte sie zur Thür hinaus. Und als ich darauf fortging, stand sie im Grasgarten hinter ihrem Hause, und ließ sich von der Käseblume sagen, ob Du sie liebtest. Und als die Blume sagte: er liebt Dich, kreuzte sie die Hände über das wonnige Herzchen und sah mit entzückten Augen gen Himmel. Sieh, so liebt sie Dich – und Du – ja, die Blume spricht wahr: Du liebst sie, du willst Dir's nur nicht gestehen.«

»Du irrst Dich, Vetter – ich gestehe, daß ich mich des herzigen Kindes gern erinnere, aber mein Herz schlägt ganz ruhig dabei. Wie ist es – wird sie nicht zum Tanz kommen?«

»Seit Du fort warst, ist sie äußerst wenig zur Musik gewesen – aber heute, da sie weiß, daß Du wieder da bist, wird sie wohl kommen.«

»Gut – warten wir das ab – sehen möcht' ich sie wohl, aber in ihres Vaters Haus komm' ich nicht.«

»Und mußt doch einmal Hochzeit darin machen.«