– Hier ist meine Hand. Da am Orte des Verbrechens sich nichts ergeben, glaube ich für die Bewahrung des Geheimnisses einstehen zu können.

– Der Himmel lohne es Ihnen! sagte weinend das arme Mädchen.

– Doch noch eine Bedingung habe ich zu stellen, fuhr der Richter nach einer Pause fort, in der er den wohlgepflegten, ausgedehnten Garten und das freundliche Wohnhaus betrachtet hatte.

– Was wollen Sie noch? flüsterte Marie.

– Nach dem neuen Gesetze ist die Civilehe in unserm Lande eingeführt und seit acht Tagen rechtsgültig – ich verlange, daß Sie heute noch den Ehecontract mit meinem Neffen unterzeichnen, wie ich ihn Ihnen vorlege.

– Mein Leben ist in Ihrer Hand, war die resignirte Antwort, ich füge mich allem, wenn Konrad vor Entehrung gesichert bleibt.

– Daß er es bleibt, liegt eben so gut in meinem als in Ihrem Interesse – jetzt folgen Sie mir in das Haus und fassen Sie sich, liebe Mündel, vergessen Sie die verflossene Nacht und den unwürdigen Konrad, der wahrscheinlich in Amerika sein Glück weiter versuchen wird – wenigstens werde ich ihm den Rath ertheilen, wenn er es wagen sollte, sich wieder sehen zu lassen.

Am Arme des entzückten Ortsrichters betrat Marie, bis zum Tode erschöpft, ihr kleines Stübchen, wo sie in dumpfer Verzweiflung den Vormittag verbrachte.

Valentin, der kaum die Zeit erwarten konnte, seine Habsucht zu befriedigen, nahm sogleich mit seinem Neffen Eberhard Rücksprache, der ihm entgegenkam, als er sein Haus betreten wollte. Der junge Wüstling setzte den Vetter von seiner Wechselschuld in Kenntniß, und dieser versprach, sobald der Ehecontract unterzeichnet sei, die Summe nach der Stadt zu senden.

Um drei Uhr Nachmittags ward der Contract unterzeichnet, Marie ließ sich leiten wie ein willenloses Kind.