– Wer weiß, ob ich noch am Leben wäre, antwortete lächelnd der Graf, wenn der Baron um einige Minuten später auf dem Kampfplatze erschienen wäre!

– Der Baron? rief Konrad erstaunt.

– Kein anderer! Die beiden Banditen, welche ich unglücklicherweise nicht erkennen konnte, sind lebensgefährliche Bösewichter. Nachdem sie mich bestohlen hatten, wollten Sie mich auch noch ermorden. Ich vertheidigte mich aus allen Kräften, die Räuber aber warfen mich zu Boden und hätten sicher ihre Absicht erreicht, wenn der Baron, den blanken Degen in der Hand, nicht als Retter dazwischen getreten wäre.

– Es lebe der brave Baron! rief Konrad, den die letzten Worte wie begeistert hatten.

– Und nun denke Dir mein Erstaunen, fuhr der Graf fort, als er mir lächelnd die Hand reicht und in einem freundlichen Tone zu mir spricht: »Junger Brausekopf! Warum haben Sie mir Ihre Liebe verborgen gehalten? Emma, die Sie aus voller Seele liebt, hatte mehr Zutrauen zu mir; anstatt uns hier zu schlagen, begleiten Sie mich auf mein Schloß und beruhigen Sie die Braut, die wegen Ihrer in Sorgen ist.«

– Gott sei Dank! Es lebe der brave Baron!

– Ich wollte dem Verkünder dieses unerwarteten Glückes zu Füßen fallen, er aber breitete seine Arme aus und schloß mich an seine Brust. Jetzt, lieber Konrad, bin ich der glücklichste aller Menschen!

– Das glaube ich wohl, antwortete lächelnd der junge Mann. Aber ich – während Sie in dem Schlosse Ihrer Schönen waren, brachte ich unter Regen, Donner und Blitz auf dem Kreuzwege zu, wie wir verabredet hatten. Ich wartete die ganze Nacht und sandte alle Gebete, die mich einst meine alte Mutter gelehrt, zu dem zürnenden Himmel empor. Als der Morgen kam, durchirrte ich wie ein Verzweifelnder die Ruinen und den Wald – ich fragte auf Ihrem Gute nach; doch nirgends fand ich eine Spur.

– Armer, guter Konrad!

– Endlich entschloß ich mich, Ihren Gegner um den Ausgang des Duells zu befragen, und, Gott sei Dank, er hat sich besser gestaltet, als wir beide hoffen konnten. Nun will ich aber eilen, um meine arme Marie zu beruhigen, die gestern Abend schon mit mir böse that, weil ich ihr wegen meiner Unterredung mit dem geheimnißvollen Fremden im Walde keine genügende Antwort geben konnte. Nicht wahr, Herr Graf, fügte Konrad lächelnd hinzu, jetzt kann ich meiner Braut unter dem Siegel der Verschwiegenheit das Geheimniß anvertrauen, um mich von allem etwaigen Verdachte zu reinigen?