– Ja! war die leise, bebende Antwort.

– Sie hat sich einen Scherz erlaubt, um Dich für Dein Ausbleiben ein wenig zu strafen.

– Das Geheimnißvolle und der Ernst des Briefes, den meine Schwester dem Kutscher übergeben, lassen mich kaum auf einen Scherz schließen – auch erinnere ich mich jetzt des sonderbaren Wesens meiner Braut, als ich diesen Morgen zu ihr in die Laube trat und bei der Nachricht von dem Raubanfalle auf Ihre Person mich schnell wieder entfernte.

– So weiß man darum?

– Röschen, die von ihrer Tante zurückkehrte, will den Kampf gesehen haben.

– Hier liegt ein Mißverständniß zum Grunde, das wir bald aufklären wollen. Peter, rief der Graf dem Kutscher zu, fahre Galopp, in einer halben Stunde müssen wir im Dorfe sein. Du hältst vor Marien's Meierei an, nicht im Schlosse!

Peter befolgte augenblicklich den Befehl, er hieb mit seiner Peitsche auf die feurigen Rosse, daß sie einen Lauf begannen, als ob sie bei einem Wettrennen den Preis erringen wollten. Die beiden jungen Leute sprachen kein Wort mehr, ein jeder überließ sich seinen Gedanken.

Kaum war eine halbe Stunde verflossen, die dem armen Konrad wie eine Ewigkeit vorkam, als der Wagen die ersten Häuser des Dorfes erreichte, das von dem Edelhofe des Barons eine Meile entfernt lag. Noch einige Minuten, und die dampfenden Rosse standen vor Mariens Hause still. Der Graf richtete noch einige ermuthigende Worte an Konrad, dann traten sie in das reinliche Stübchen.

– Himmel! rief Marie, die weinend und bleich in ihrem Stuhle saß und die Ankunft des Wagens nicht gehört zu haben schien – Unglücklicher, was willst Du hier? Hast Du meinen Brief nicht erhalten?

– Herr Graf, stammelte Konrad, Sie sehen, daß es traurige Wahrheit ist –!