– Marie, sagte ernsthaft der Graf, was soll das bedeuten?
– Meide diese Gegend! rief das Mädchen mit fliegender Brust – fort, fort, ehe das Verderben hereinbricht!
– Mädchen, redest Du im Wahnsinn? Gieb uns Aufklärung über Dein seltsames Benehmen.
Jetzt erst erkannte Marie den Grafen. Sie sah ihn einen Augenblick mit starren, ausdruckslosen Mienen an, dann sank sie laut weinend in den Stuhl und verhüllte das Gesicht mit ihrer Schürze.
Als ob Konrad wirklich ein Verbrechen begangen, stand er in der Mitte des Zimmers und hielt seine bebende Hand vor die Augen, aus denen ein Thränenstrom über die braunen Wangen herabrieselte. Der Graf war zu Marien getreten und suchte sie zum Reden zu bewegen.
– Konrad, sagte sie endlich und deutete nach der Thür – fliehe, fliehe, ehe der Richter zurückkehrt!
– Mein Gott, fragte der Graf, weshalb hat Konrad den Richter zu fürchten?
– Weshalb? soll ich das Furchtbare wiederholen?
Plötzlich erhob der junge Mann sein Haupt, der Stolz gab ihm Fassung und verscheuchte auf einen Augenblick den Schmerz der Liebe.
– Marie, sagte er fest, Du willst, daß ich Dein Haus verlasse, damit mich der Richter hier nicht finde – meine Ehre als Soldat erfordert es, daß ich nicht einen Schritt weiche, bevor ich Aufklärung erlangt habe, daß ich mich rechtfertigen kann. Was hast Du gegen mich?