– Konrad, Du willst mich noch täuschen?! rief Marie erschüttert, welche des jungen Mannes Stolz für Verstocktheit hielt.

– Marie, ich verlange bei Deiner und meiner Ehre, daß Du in Gegenwart des Herrn Grafen, meines Majors und Gutsherrn, offen und frei erklärst, was Du mir zur Last legst!

– Wo warst Du diese Nacht? fragte sie mit abgewandten Blicken und indem sie mit ängstlich klopfendem Herzen auf die Antwort lauschte.

– Ich war bei dem Freunde des Herrn Grafen, dem Oberförster von G.

– Und zwar in einer Angelegenheit für mich, fuhr der Graf fort, die ich nur meinem Freunde und Lebensretter anvertrauen konnte.

Marie erhob ihr Haupt und sah die beiden Männer an, als ob die Worte des Grafen sie ihres Verstandes beraubt hätten – das trübe Auge schien aus seinen Höhlen hervortreten zu wollen und die Brust der Lebenskraft beraubt zu sein.

– Schwester, sagte freundlich der Graf, verbanne Schmerz und Eifersucht, denn Konrad liebt Dich mit der ganzen Kraft seines guten Herzens. Wenn er fehlte, so trage ich die Schuld, denn ich war jener Mann, der ihn gestern Abend suchte, um einen Dienst von ihm zu fordern, der ihn die ganze Nacht aus dem Dorfe entfernte. Ich nahm ihm das Versprechen ab, ein tiefes Schweigen, auch gegen Dich, zu beobachten, und Konrad, mein treuer Soldat, hat Wort gehalten – ich verbürge mit meinem gräflichen Ehrenworte, daß Dein Bräutigam bis zum Morgen in meinem Dienste gewesen ist!

Mit einem durchdringenden Schrei der Verzweiflung sank die arme Marie ohnmächtig zu Boden. Konrad stürzte herbei und umschloß die bleiche Braut mit beiden Armen, als ob er ihr neue Lebenskraft einhauchen wollte.

– Mein Gott, rief der Graf, was ist hier geschehen? Hat die Eifersucht dem armen Mädchen den Verstand geraubt?

In diesem Augenblicke öffnete sich die Thür und der Ortsrichter Valentin, von seinem Neffen Eberhard gefolgt, trat ein. Eine tiefe Stille des Staunens und Schreckens herrschte einen Augenblick in dem Gemache. Marie lag immer noch leblos in Konrad's Armen.