– Marie, sagte er ernst, wie mir scheint, bist Du das Opfer eines nichtswürdigen Verrathes geworden – bei dem Gotte, der die Schurken bestraft, fordere ich Dich auf, mir Licht zu geben in dieser fürchterlichen Verwirrung.

Mariens Blicke suchten den armen Konrad, der wie die Bildsäule des Schmerzes und der Verzweiflung an dem Tische stand. Als sie ihn gefunden, erhob sich das junge Mädchen mit der größten Anstrengung und trat mit schwankenden Schritten zu ihm.

– Konrad, flüsterte sie, was ich that, geschah aus Liebe zu Dir – Du weißt ja, wie ich Dich liebe! Und nimmer, nimmer werde ich Dich vergessen – doch meide diesen Ort – Du hast mich glücklich in der Liebe zu Dir gesehen – mein Elend und meine Verzweiflung sollst Du nicht sehen – denn ich bin die Frau des Försters Eberhard.

– Konrad, rief entschlossen der Graf – die Braut hast Du verloren, doch einen Freund gewonnen, der mit allem, was ihm zu Gebote steht, für Dein Glück sorgen wird. Und liebst Du diesen Freund, so folge ihm jetzt, an seinem Arme sollst Du den Ort Deines Unglücks verlassen und sein Schloß betreten, das Du so lange als Deine Heimath betrachten kannst, bis es mir gelungen ist, einen nichtswürdigen Verrath zu entlarven! Folge mir!

Bei den letzten Worten trat er zu Konrad und drückte den Willen- und Gedankenlosen mit großer Bewegung an seine Brust. Dann ergriff er seinen Arm und wollte ihn aus dem Zimmer führen.

– Konrad! Konrad! schrie verzweiflungsvoll Marie, indem sie ihre Hände nach ihm ausstreckte.

Der junge Mann warf noch einen Blick zurück, dann ließ er sich schweigend von dem Grafen fortziehen.

Nach zwei Minuten hörten die in dem Zimmer bestürzt Zurückgebliebenen das Gerassel des Wagens, der die beiden Freunde nach dem Schlosse brachte.

– Herr Valentin, sagte Marie mit fester Stimme und alle ihre Kraft zusammennehmend – nach dem Gesetze bin ich die Frau Ihres Neffen.

– Kein Mensch kann etwas dagegen haben, antwortete der Richter – Sie haben meinem Eberhard das Wort gegeben und das Gesetz hat es bestätigt.