– Konrad! Konrad!

– Sieh, fuhr Konrad fort, indem er seinen Arm um ihren Hals schlang – ich bin glücklicher, als Du, denn mein Herz ist frei, es kann Dir treu bleiben und Dich lieben – mich fesselt kein anderes Band, ich kann meinen letzten Seufzer zu Dir senden, ich kann sterben mit Deinem Namen auf den Lippen – darum weine nicht über mich – ich bin ja weniger zu beklagen, als Du!

Mit bebenden Armen klammerte sich Marie an Konrad und hielt ihn krampfhaft einige Minuten umschlungen.

– Jetzt fasse Dich, sagte Konrad, ich scheide, um Dir die Erfüllung Deiner Pflicht nicht zu erschweren.

– O mein Gott, laß mich sterben, denn das Leben macht mich elend!

– Komm, Marie, in Dein Haus, ehe uns ein Späherauge belauscht – ich begleite Dich bis zur Schwelle, dann lebe wohl!

Langsam gingen beide durch den vom Sternenlichte erhellten Garten. Als sie an der Thür des Hauses waren, drückte Konrad schweigend den letzten Kuß auf Mariens Lippen, entwand sich ihren Armen und eilte in die Nacht hinaus. Ohne eine bestimmte Absicht zu haben, folgte er dem Fußwege, den er betreten, sein Kopf glühte in Fieberhitze, und je mehr er sich von Mariens Wohnung entfernte, je mehr steigerte sich sein Schmerz zum Lebensüberdruß.

Wohl eine Viertelstunde war er durch Gebüsche und Felder geirrt, als ihm plötzlich eine weite Fläche entgegenblinkte. Es war der Teich, dessen Wasser Philipp's Mühle trieb. Mit einem unheimlichen Lächeln blieb er stehen und sah auf den ruhigen Spiegel des schilfbedeckten Weihers. Der Abend war still, nichts regte sich in der schweigenden Natur, das ferne monotone Geklapper der Mühle, deren erleuchtetes Fenster wie ein Stern flimmerte, war das einzige Geräusch, das an das Ohr des unglücklichen Konrad schlug.

– Nein, flüsterte er endlich vor sich hin – ich will die Last des Lebens wenigstens hier nicht von mir werfen, daß Marie sich meinen Tod nicht zum Vorwurf machen kann, sie ist ja schon unglücklich genug. Fort, rief er aus, indem er abwehrend die Hände gegen den Weiher streckte – fort, daß mich der Dämon nicht erfaßt – überall wüthet der Krieg, er nehme mich als sein Opfer, dann sterbe ich einen Tod, den die öffentliche Meinung nicht zum Verbrechen stempelt!

Rasch wandte er dem Ufer den Rücken und eilte einem Gehölze zu, dessen Umrisse sich von dem gelben Stoppelfelde in phantastischen Gestalten absonderten. Das Feld war durchschritten und Konrad stand an einer lebendigen Hecke, die ein freundliches Jägerhaus umschloß. Aus einem Fenster des Erdgeschosses, das bis zur Hälfte von den Blättern und Ranken des Zaunes bedeckt ward, schimmerte ihm ein Licht entgegen.