– Ah, verstehst Du mich endlich? rief Graff mit heiserm Lachen – Nicht wahr, es wäre doch jammerschade, wenn die schöne Summe mit in den Steinbrüchen begraben würde. Das Geschäft ist von doppeltem Nutzen: wir entledigen uns eines gefährlichen Menschen, der unsere Püffe in den Ruinen der Abtei nicht vergessen kann, und werden auf einmal reich – Du freilich sitzest schon in der Wolle, denn Du heirathest ein niedliches Mädchen und eine eben so niedliche Meierei – aber ich mit meiner Fratze kann an Heirathen nicht denken, ich muß auf ein anderes Mittel sinnen, mir ein Vermögen zu erwerben – und siehe da, meinem Scharfsinn ist es gelungen – Du bist mein Freund, Eberhard, Du sollst von diesem Geschäfte den dritten Theil erhalten, mehr gebrauchst Du nicht, um für einen wohlhabenden Mann zu gelten – ich lade Dich hiermit feierlichst dazu ein.
Dem Lauscher am Fenster erstarrte das Blut in den Adern, ihm war, als ob ein Traum seine Sinne umnebelte. Mit aller Kraft, die ihm zu Gebote stand, behauptete er seine Stellung, um den Ausgang des Gesprächs zu erfahren, denn so viel war ihm trotz seines Zustandes klar, daß eine bloße Anzeige ohne Beweise nicht nur ohne Nutzen, sondern selbst von Nachtheil für ihn sein könnte. Der Gedanke, Marie ist durch die Civilehe an einen Raubmörder gekettet, gab ihm Kraft zur Ausdauer.
– Ich folge Dir nicht, hörte er Eberhard sprechen. Du hast mich einmal zu einem Verbrechen verleitet, aber nie wird es wieder geschehen!
– Beim Himmel, rief Graff, die Civilehe scheint Dein Gewissen sehr zart gemacht zu haben!
– Nicht die Ehe, sondern das geraubte Geld – dort liegt es im Schranke – ich mag es nicht berühren! Könnte ich mit der Zurückgabe desselben meine Ruhe wieder erkaufen, ich würde mich ohne Bedauern davon trennen. O, daß ich Deinen Worten Gehör gegeben habe! Fliehe, Du bist der Teufel, der mein Leben vergiftet!
– Sieh, mein Bürschchen, wie klug Du redest! Das Geld verachtest Du jetzt, weil Du ein reiches Mädchen geheirathet hast – wie aber, mein wackerer Freund, wenn ich nicht auf den Gedanken gekommen wäre, durch die Zurücklassung des Hutes in den Ruinen den Bräutigam Marien's zu verdächtigen, daß sie ihm den Abschied geben und aus Angst Dich heirathen mußte – wie aber, frage ich, stände es jetzt mit Dir? Glaubst Du denn, daß Marie den Konrad hätte fahren lassen, nur um Dir den Vorzug zu geben? Hätte mein Scharfsinn das Netz nicht gewebt, Du hättest sicher den Vogel nicht gefangen, der Dich stolz und Dein Gewissen zart macht – Du säßest jetzt im Schuldgefängnisse und sähest durch die Eisenstäbe Deines Fensters, wie andere Leute sich des Lebens freuen.
– Laß' mich Graff, ich will künftig als rechtlicher Mann leben!
– Ha, ha, ha! lachte der Jäger – glaubst Du denn, daß man nach Belieben aufhören kann, wenn man einmal angefangen hat – das wäre sehr bequem – Nein, mein Junge, ich brauche Dich, und Du mußt mitgehen, oder – –
– Oder? wiederholte Eberhard.
– Oder ich beweise Dir, sagte der Jäger in einem drohenden Tone – daß Du mir Gehorsam schuldig bist!