– Mein Gott, Konrad, Du bist außer Athem – was ist geschehen?

– Noch nichts; doch komm auf einen Augenblick in Dein Haus.

Die beiden jungen Leute verschwanden in der Mühle. Die Zurückgebliebenen unter der Linde äußerten laut ihre Befürchtungen, sie schlossen aus Konrads hastiger Ankunft, Mariens Verlust habe ihm den Verstand zerstört.

Die Uhr im Dorfe schlug zehn und der kleine Kreis der Nachbarn wollte sich eben trennen, als Konrad und Philipp eilig aus der Mühle traten. Letzterer trug die Uniform seines Regiments, einen alten Säbel an der Seite und ein Jagdgewehr auf der Schulter.

– Wohin? riefen die Leute erstaunt.

– Zum Appell! war die Antwort der eilenden Männer, die im nächsten Augenblicke schon in dem Dunkel verschwunden waren. Auf einem Platze im Dorfe trennten sie sich wieder, Konrad, um seine Uniform und Waffen anzulegen, Philipp, um den dritten Kameraden zu holen.

Röschen empfing den Bruder mit einem lauten Freudengeschrei. Dieser grüßte kaum und stürzte in seine Kammer. Die Schwester folgte ihm.

– Konrad, rief Röschen, deren Freude sich in Schreck verwandelt hatte – Du willst doch nicht wieder in den Krieg ziehen, daß Du die Uniform hervorsuchst?

– In den Krieg, war die rasche, freudige Antwort – in den Krieg, um mir meine Marie wieder zu erobern!

Röschen brach in ein lautes Schluchzen aus, denn sie glaubte, der Bruder sei wahnsinnig geworden.