– Soll ich meinen Zweck nicht verfehlen, so laß mich ziehen – bald kehre ich zurück und Du wirst alles erfahren.
– Willst Du allein fort? fragte Röschen besorgt.
– Komm zurück in das Zimmer und Du wirst sehen, wer mich begleitet.
In demselben Augenblicke, als die Geschwister aus der Kammer eintraten, öffnete sich die Thür, die auf die Hausflur führte, und Philipp und ein anderer junger Mann in Uniform und bewaffnet erschienen auf der Schwelle.
– Willkommen, Christian! rief Konrad, beiden die Hand reichend. Siehst Du, wandte er sich zu Röschen, da stehen meine Begleiter – hast Du nun noch Angst? Jetzt bleibe wach, bis wir zurückkehren und sorge für ein gutes Frühstück, denn vor Mitternacht wird unser Geschäft nicht beendet sein. Doch laß kein Wort von unserm Ausmarsche laut werden, sonst ist alles verloren.
– Und Marie wird frei? fragte Röschen noch einmal.
– Frei, antwortete Konrad, um meine Frau zu werden. Adieu, Röschen!
Vorsichtig verließen die drei Soldaten das Haus und das Dorf. Röschen ging zur Küche, schürte Feuer an und begann das ihr aufgetragene Mahl zu bereiten.
8.
Der Jäger Graff hatte wahr gesprochen: Graf Rudolph bestieg in der That im Edelhofe des Barons gegen Mitternacht seinen Wagen, um nach seinem Schlosse zurückzukehren. Nur führte er nicht die Summe Gold mit sich, nach der Graff sich sehnte, die Kunde davon war nichts als ein Domestiken-Geschwätz, das dem wilden Waidmann durch einen Jäger des Barons in der Waldschenke zu Ohren gebracht worden. Der junge Graf, obgleich beglückt durch die Liebe eines schönen, reichen Mädchens, befand sich nicht in der heitersten Laune, Konrad's Unglück, zu dem er willenlos den Grund gelegt, ging ihm tief zu Herzen und erfüllte ihn um so mehr mit Mißmuth und innigem Bedauern, als er nicht im Stande war, durch irgend ein Mittel das Geschehene auszugleichen. Er hatte seiner Braut die Unglücksgeschichte mitgetheilt und diese hatte ihm unter Thränen den Vorschlag gemacht, dem armen Konrad ein kleines Gut als Eigenthum zu überweisen, das sie in der Gegend von B. besaß und durch einen Verwalter bewirthschaften ließ. Rudolph war freudig auf diesen Vorschlag eingegangen, daß er aber dem braven Manne mit der Verleihung der Glücksgüter nicht auch das Glück und die Ruhe des Herzens zurückgeben konnte, deren Verlust er noch vor Kurzem so schmerzlich empfunden, trübte die Freude, die ihm die Umgestaltung seines Geschickes bereitete.