Die Wächter der nahen Dörfer riefen die Mitternachtsstunde und ihre Hörner erklangen hell durch die stille Nacht, als der Graf die weißen Mündungen der Steinbrüche erblickte, an denen eine kurze Strecke seines Weges vorbeiführte. Das Passiren dieses Weges war völlig gefahrlos, da die Abgründe sich in einer Entfernung von mehr als hundert Schritten öffneten und selbst in der größten Dunkelheit sich durch einen weißen Schimmer des Gesteins zu erkennen gaben. Hinter den Steinbrüchen zu beiden Seiten liefen ziemlich hohe Bergrücken hin, welche ein langes, schmales Thal bildeten, das eine Biegung machte, um sich ostwärts fortzusetzen, der Weg aber zum Schlosse schied sich in dieser Biegung und führte südwärts durch einen tiefen Hohlweg wieder in das freie Feld.
Peter, der Kutscher, des Weges kundig, hieb lustig in die Pferde, daß der leichte offene Wagen wie ein Pfeil durch das Thal schwirrte. Als er an die Stelle kam, wo er in den Hohlweg einbiegen mußte, fuhr er vorsichtig etwas langsamer; doch kaum hatte er das tiefe Gleis erreicht, als aus einem an dem Abhange stehenden Haselbusche ein Schuß fiel und dem armen Burschen die Hand verwundete, mit der er die Peitsche schwang. In demselben Augenblicke stürzte ein Mann den Pferden in die Zügel.
Der Graf, seit seinem letzten Anfalle vorsichtig geworden, holte rasch ein Pistol aus der Wagentasche hervor, legte an, ein zweiter Schuß knallte durch das Thal und der Mann, der die sich bäumenden Pferde hielt, stürzte mit einem lauten Schrei zusammen. Die Hufe der scheu gewordenen Pferde zermalmten den tödtlich verwundeten Räuber. Peter behielt indeß so viel Geistesgegenwart, daß er mit der gesunden Hand die Zügel kräftig erfaßte und das Durchgehen der Rosse verhinderte.
Noch stand der Graf aufrecht im Wagen und hielt das abgeschossene Pistol in der Hand, als er von hinten mit einem Hirschfänger angegriffen wurde – ein zweiter Räuber hatte den Wagen erstiegen. Ohne ein Wort zu reden, vertheidigte sich der Angegriffene mit dem umgekehrten Pistol und es entspann sich ein Kampf in dem Wagen, der sich sicher zu Gunsten des stärkeren Banditen entschieden, wenn nicht ein paar kräftige Fäuste den Nichtswürdigen bei den Haaren ergriffen und ihn rücklings von dem Sitze herab in den Hohlweg geschleudert hätten. Unten standen noch zwei Männer und nahmen den wuthknirschenden Räuber mit ihren Gewehrkolben in Empfang.
Der Graf, in der Meinung, er habe den Angreifenden durch einen Schlag seiner Waffe kampfunfähig gemacht, suchte nach einem zweiten Pistol, das er aber nicht gleich erfassen konnte, da es aus der zerrissenen Tasche auf den Boden des Wagens gefallen war.
– Zurück, rief er emsig suchend, oder meine Kugel zerschmettert Euch Banditen den Schädel!
– Herr Graf, rief Konrad's Stimme, die Banditen können nicht mehr zurück, der eine ist todt, der andere geknebelt!
– Himmel – Kinder, wer seid Ihr?
Die drei Männer in ihrer Uniform mit den blinkenden Knöpfen traten heran, und der Mond, der in diesem Augenblicke hinter einer Wolke hervortrat, beschien ihre muthigen Gesichter.
– Soldaten Ihres Bataillons, antworteten sie und streckten dem Grafen die Arme entgegen, um ihm aussteigen zu helfen.