– Kathi, sagte er nach einer Minute, wie steht es mit dem Mittagessen?

Das junge Mädchen hing den Blasebalg an einen Nagel in der weißen Wand.

– Es kann angerichtet werden, Herr, antwortete sie in einem Tone, der umsonst einen leichten Schreck zu verbergen suchte.

Herr Czabo sah durch seine Brille auf die hübsche Köchin, als ob er ein Recept lesen wollte. Dann holte er eine kleine silberne Dose aus der Tasche und nahm behaglich eine Prise.

Die Köchin des Apothekers war auch in der That von einer auffallenden Schönheit. Sie trug einen kurzen rothen Friesrock mit schwarzem Bande besetzt, ein hellgraues wollenes Mieder mit kleinen runden Zinnknöpfen und ein kleines blaues Tuch, das den schlanken runden Nacken und den üppigen Busen nicht völlig bedecken konnte. Das starke, glänzend schwarze Haar vermochte die braune Mütze kaum zu fesseln, es fiel aufgelös't an beiden Schläfen herab und bedeckte wie ein spielender Schatten die Theile des schneeweißen Busens und der glänzenden Schultern, die das Tuch nicht zu verhüllen vermochte. Das feine, blühende Gesicht, etwas von Ruß geschwärzt, erglühte hochroth von der Hitze des Feuers, das die zwar schwarzen, aber wohlgeformten kleinen Hände zu unterhalten suchten. Die kurzen Aermeln des Mieders lagen so fest um den vollen runden Arm, daß sie bei jeder Bewegung zu zersprengen drohten. Weiße Strümpfe und schwarze Schuhe bekleideten ein Paar Füße, die an Zierlichkeit und Elasticität denen einer Tänzerin zu vergleichen waren. Kurz, die ganze Gestalt der Köchin war von der Natur mit einer Ueppigkeit ausgestattet, daß man sich über Herrn Czabo nicht wundern konnte, wenn er seinen angebrannten Braten darüber vergaß.

Kathi war eine zweite Aschenbrödel, die unter dem rußigen Küchengewande eine seltene Schönheit verbarg. Und was den Reiz noch erhöhte war der Umstand, daß Kathi sich ihrer körperlichen Vorzüge kaum bewußt zu sein schien.

– Kathi, begann der Apotheker, indem er auf seiner Dose trommelte – weißt Du, daß heute ein wichtiger Tag für mich ist?

– Nein, Herr Czabo! antwortete im Dialect der Landleute die Angeredete, ohne sich in ihrer Beschäftigung unterbrechen zu lassen.

– Es hat sich seit einigen Tagen eine Schutzmannschaft in unserer Stadt gebildet, um den flüchtigen Rebellen entgegenzutreten, die jetzt häufig Semlin passiren, die nahe türkische Grenze zu erreichen. Mich hat man zum Kommandanten für dieses Stadtviertel ernannt.

Kathi sah mit ihren großen, seelenvollen Augen den Apotheker an, wie es schien erschreckt.