– Aber Tante –!

– Auch müssen wir noch Bohnen pflücken, denn morgenfrüh giebt es mehr zu thun!

– Die Bohnen werde ich pflücken, und das Buttern werde ich auch besorgen – entgegnete rasch der Vetter – aber seien Sie gut, liebe Tante, und geben Sie uns nur eine Viertelstunde, daß wir als gute Christen unser Vesperbrod ruhig verzehren können. Sehen Sie, dort liegt der Kahn, ich habe ihn heute Mittag schon vorbereitet. Der Teich enthält noch Wasser genug, um Marien und mich zu tragen.

Die Tante, oder vielmehr die Mutter, antwortete mit einem trübseligen Lächeln, mit einem Lächeln, das dem Lauscher in seinem Verstecke das Herz durchschnitt. Der Vetter verstand dieses Lächeln, fröhlich ergriff er die Hand seiner Base und zog sie dem Ufer zu. Marie fügte sich; als ob sie dem Vetter entgehen wollte, sprang sie leicht wie ein Reh in den kleinen Kahn; in der Hand hielt sie ein Stück Brod mit Käse. Der Bauer folgte ihr, stieß bei dem Hineinspringen das winzige Fahrzeug durch einen kräftigen Fußtritt vom Ufer ab, daß es rauschend nach der Mitte des Teiches fuhr, und nahm singend neben der jungen Müllerin Platz, welche ruhig ihr Vesperbrod verzehrte. Nach einigen Minuten hatten sie ihr Ziel erreicht, nämlich eine kleine Insel, auf deren Moosboden eine Gruppe wilder Rosen und Akazien sich erhob. Da, wo der Kahn an das Ufer stieß, hing eine Thränenweide ihre trauernden Zweige auf den Wasserspiegel herab.

Marie stieg zuerst an das Ufer und setzte sich an dem Stamme der Thränenweide in das Moos. Den Rest ihres Brodes, von dem sie nur wenig gegessen, zerbrach sie in kleine Stücke und warf eins nach dem andern in den Teich. Nicht lange, so hatte sich eine Heerde Fische versammelt, welche sich munter nach den Bissen herumtummelten, daß der ruhige Wasserspiegel in weiten Kreisen erglänzte.

– Nun, Marie, sprach der Vetter, als er neben ihr saß und mit Appetit zu essen begann, Du giebst den Fischen Dein Brod; hast Du keinen Hunger?

– Nein, antwortete das Mädchen, die Hitze ist so groß, daß ich nicht essen kann. Und dabei sah sie träumend dem Spiele der Fische zu.

– Ich werde Dir Appetit machen! rief der junge Bauer und wollte einen Kuß auf den blühenden Mund der Jungfrau drücken.

– Vetter, zürnte das Mädchen mit drohender Geberde, noch bin ich nicht Deine Frau!

– Aber in acht Wochen spätestens wirst Du es sein, und darum denke ich – –