– Lajos, ich weiß bereits alles – ich habe sie erkannt. O meine Thekla – sie dient als Köchin bei dem Apotheker! Eine Gräfin Andrasy ist Magd! Furchtbares Schicksal!

– Und doch blieb ihr weiter nichts übrig, sagte der Fischer. Unter welcher Maske sollte sie sich anders hier aufhalten? So lange die Russen die Grenze besetzt hielten, war an eine Ueberschreitung derselben nicht zu denken. Was sollten wir nun beginnen? Ich benutzte meine Bekanntschaft, die ich seit einem Jahre mir erworben und brachte meine frühere Herrin zu dem Apotheker.

– Wie aber ist Thekla zu Dir gekommen?

– Mein Sohn, der sie auf der Flucht begleitete, brachte sie vor drei Tagen in mein Häuschen, das dort unten am Ufer der Save steht. Ich konnte sie nicht bei mir behalten, weil die Grenzpatrouillen täglich bei meiner Wohnung vorbeipassiren. Zum Glück fand ich diesen Dienst für sie. Doch, Herr Graf, die Gefahr hat den höchsten Gipfel erreicht, wenn die junge Gräfin diesen Abend Semlin nicht verläßt, ist sie verloren.

– Lajos, was ist's?!

– Wie ich von einer Magistratsperson gehört, in deren Haus ich heute Mittag Fische brachte, soll diese Nacht in der ganzen Stadt Haussuchung gehalten werden, weil man wissen will, daß sich mehrere Führer der Revolution, und unter ihnen unsere arme Gräfin, hier befinden sollen. Um Mitternacht soll das Regiment unter die Waffen treten. Sehen Sie, aus diesem Grunde muß ich in die Apotheke.

– Und hast Du einen Rettungsplan ersonnen? rief eifrig der junge Graf. O, so sage ihn mir, daß ich Dich unterstützen kann! Ich begleite meine Thekla, meine geliebte Braut, und wenn es sein muß, in den Tod!

– Hören Sie mich an, flüsterte der Fischer. Dort liegt mein Boot. Es ist zwar nur ein Fahrzeug für die Save, das darf uns aber nicht abhalten, uns ihm anzuvertrauen, um eine halbe Stunde unter der Stadt in die Donau auszulaufen und das gegenseitige Ufer zu gewinnen. Erreichen wir es glücklich, so sind wir gerettet, denn wir befinden uns dort auf türkischem Boden, wo den Flüchtlingen eine gastfreie Aufnahme zu Theil wird.

– Du hast Recht, Lajos, es ist besser in den Wellen zu sterben, als einen schimpflichen Tod von feilen Knechten zu erleiden.

– So will ich gehen und die Gräfin vorbereiten.