Herr Czabo, ein Licht in der Hand tragend – denn es begann zu dunkeln – kam ihr aus der Küche entgegen. Er war mit einer blauen Uniform bekleidet und mit einem mächtigen Säbel bewaffnet. Auf den Schultern erglänzten große Epauletts mit silbernen Candillen.
– Kathi, sagte der Kommandant sich in die Brust werfend, ich verlasse auf eine Stunde das Haus, weil meine Mannschaft auf dem Sammelplatze zusammentritt – es ist etwas Wichtiges im Werke. Wahre die Küche und besorge unserm Gaste das Abendessen. Sobald es völlig dunkel geworden, schließe die Fensterladen und bleibe ruhig in deinem Zimmer neben der Küche. Adieu, Kathi, sagte freundlich der Apotheker und gab der Köchin das Licht, wobei er die Finger ihrer niedlichen Hand drückte, als ob es absichtslos geschehen sei.
– Ich werde alles pünktlich besorgen, Herr, sagte Kathi und verschwand durch die halbgeöffnete Küchenthür, um ihre Bewegung zu verbergen.
– Ein reizendes, liebes Mädchen! flüsterte der Apotheker vor sich hin. Den Lohn hat sie auf ein halbes Jahr voraus erhalten – so lange ist sie gebunden – wer weiß, was dann geschieht!
Still lächelnd verließ er das Haus und eilte durch die halbdunkeln Straßen dem Marktplatze zu, wo sich die Schutzmänner bereits versammelt hatten.
5.
Thekla war so erschüttert von den Begebnissen dieses verhängnißvollen Tages, daß sie sich einige Augenblicke der Ruhe überlassen mußte. Sie setzte sich auf das Bett in ihrer Kammer neben der Küche und ließ das glühende Köpfchen in das weiße Kissen herabsinken.
– Janos, Graf Esthi als Korporal in einem kaiserlichen Regimente! flüsterte sie leise. Hätten ihn meine Augen nicht gesehen, ich würde es für ein Spiel meiner aufgeregten Phantasie halten – welch' ein Schicksal! der gräfliche Bräutigam Korporal und die gräfliche Braut die Köchin eines Apothekers in Semlin! Wahrhaftig, man könnte darüber lachen, wenn die Sache nicht zu ernst wäre, denn es handelt sich um Leben und Tod. Janos, rief sie aus, rette deine Braut, deine Thekla, nach deren Kopfe die Tyrannen trachten – man will sie morden, wie man das Vaterland gemordet hat!
Thekla hielt beide Hände vor das Gesicht, sie wollte den Thränenstrom ersticken, der aus ihren Augen stürzte.
Ein Knistern, als ob jemand durch die Küche schliche, ließ sich vernehmen.