Thekla fuhr empor, rasch ihre Thränen trocknend. Dann ergriff sie das Licht und trat unter lautem Herzklopfen in die Küche hinaus.
Der Schein des Lichtes fiel auf die weiße Uniform des Korporals.
– Thekla! rief mit unterdrückter Stimme der junge Mann.
– Janos! schluchzte das junge Mädchen.
Beide stürzten sich in die Arme und feierten durch einen innigen Kuß, den das Salz der Thränen würzte, das schmerzliche, verhängnißvolle Wiedersehen.
Der Graf gewann seine Fassung zuerst wieder, er wußte ja, welche Gefahr seiner geliebten Thekla bevorstand.
– Kein Wort mehr, – flüsterte er; – nimm dieses Papier, es wird Dir alles sagen.
Er drückte dem zitternden Mädchen ein Briefchen in die Hand, dann verließ er eben so leise und vorsichtig das Haus, als er es betreten hatte.
Die junge Gräfin zog sich in die Kammer zurück. Nachdem sie noch einmal sich überzeugt, daß der Laden des Fensters geschlossen sei, öffnete sie das Papier und las:
»Jede Stunde mehrt die Gefahr. Man weiß, daß Du Dich in der Stadt verborgen hältst. Ein Zufall führte mich mit Deinem treuen Lajos zusammen, wir haben gemeinschaftlich den Plan zur Flucht berathen, die diesen Abend noch ausgeführt werden muß. Am Ufer der Save, dort, wo die kleine Baumgruppe im Garten des Apothekers steht, liegt ein Kahn zu unserer Aufnahme bereit. Wir fahren in der Finsterniß die Save hinab, um die Donau und das jenseitige Ufer derselben zu gewinnen. Es ist ein kühnes Wagniß, da Lajos nur einen kleinen Kahn zu unserer Verfügung stellen kann. Ich ziehe es aber vor, in den Wellen zu sterben, als von der Hand blutdürstiger Tyrannen. Empfängt uns das rettende Ufer nicht, so wird der Schooß der Donau unser Brautbett. Sei vorsichtig und meines Winkes gewärtig.«