Noch einmal durchflog sie die Zeilen von geliebter Hand, dann drückte sie das Blatt an ihre Lippen und flüsterte, den Blick gen Himmel gewandt:

– Ja, mein Janos, mein geliebter Mann, entweder das rettende Ufer, oder an Deiner Seite den Tod in den Wellen der Donau!

Als ob mit diesem heroischen Entschlusse das Gemüth der jungen, unglücklichen Gräfin völlig beruhigt sei, unterzog sie sich, ohne längeres Zögern, der Hausarbeit, welche die Zeit des Tages mit sich brachte. Sie ging zunächst auf die Straße und schloß die Laden an den Fenstern des Erdgeschosses, die von außen angebracht waren.

Ein ungewöhnlich reges Treiben herrschte in der sonst, um diese Zeit, so stillen Gasse, Soldaten und Bürger gingen hin und wieder. Vor den Thüren standen Gruppen von Männern und Frauen und unterhielten sich lebhaft, ungeachtet des kühlen Herbstabends. Thekla kümmerte es nicht, die Nähe des Geliebten hatte ihr Herz mit Muth und Vertrauen erfüllt, sie ging ruhig in das Haus zurück.

Im Wohnzimmer traf sie Netti.

– Kathi, – sagte das junge Mädchen, – hast Du für unsern Gast das Abendessen besorgt?

– Nein, – antwortete die Magd; – ich dachte, es sei noch zu früh.

– So besorge es. Der Vater sagte mir, es sei möglich, daß das Regiment sich versammeln müsse, da diesen Abend oder diese Nacht eine allgemeine Haussuchung in der Stadt vorgenommen werden solle, man vermuthe die Anwesenheit wichtiger, politischer Flüchtlinge.

– Soll geschehen, – antwortete Kathi und verließ das Zimmer.

Thekla's Herz begann wieder zu pochen, so nahe hatte sie die Gefahr nicht geglaubt. Unschlüssig, ob sie in das Gartenhaus gehen und diese Nachricht dem Grafen mittheilen sollte, oder nicht, stand sie einen Augenblick auf der Hausflur, als der Advokat Ferenz eilig von der Straße hereintrat. Vorsichtig sah er sich um, dann trat er zu Thekla heran.