Novelle
von
August Schrader.

1.

Ein heißer Augusttag neigte sich seinem Ende zu. Die höchsten Spitzen des Harzgebirges umfing schon die Glorie des ersten Abendrothes, während auf den kleinern Bergen und in den Thälern Bäume und Gesträuche lange Schatten warfen. In geheimnißvollem Schweigen lag die Natur, Waldblumen und Kräuter dufteten Weihrauch empor, der Gesang der Vögel verstummte nach und nach und alles bereitete sich vor, den Abend, den stillen Vorboten der Nacht, festlich zu empfangen.

Da schritten auf einem Fußpfade, der sich zwischen den riesigen Stämmen eines dunkeln Eichenwaldes wie ein Bach zwischen Felsen dahin schlängelte, drei junge Männer, deren Aeußeres auf den ersten Blick verabschiedete Krieger bekundete. Sie trugen graue Beinkleider, kurze blaue Röcke mit gelben Knöpfen und rothen Kragen, runde Mützen mit Streifen von derselben Farbe und Reisebündel in Form eines Kranzes, der auf der rechten Schulter lag und auf die linke Hüfte herabhing.

Ohne sich um den Reiz des duftenden Waldes zu kümmern, dessen Moosboden sich rechts und links wie ein grüner Teppich ausbreitete, schritt einer dicht hinter dem andern auf dem schmalen Wege und das Echo des Haines gab das Geräusch der kräftigen Fußtritte zurück.

Plötzlich lichtete sich der Wald, die Baumstämme verschwanden zu beiden Seiten und die Wanderer standen auf der Platte eines Bergrückens, an dessen Fuße sich ein kleines, romantisches Thal ausbreitete. Der Abendnebel hatte einen feinen, durchsichtigen Schleier über die Niederung gezogen, so daß die Häuser eines Dorfes, die wie Schwalbennester an den Bergen hingen, wie Schemen durch den Reflex der Lichtstrahlen gebildet, erschienen. Der Kopf des weißen Kirchthurms, weit über die Nebelfläche emporragend, glühete im Abendstrahle wie ein Meteor, und die langen, schmalen Fenster des Kirchleins flimmerten wie glänzende Stahlplatten. Ein dunkles Gebirge bildete den nächsten Hintergrund der zauberhaften Landschaft und die flammende Kuppel des gigantischen Brockens, die weiteste Fernsicht, umsäumte das ganze Bild mit einem milden Heiligenscheine.

Als ob ein Gedanke die Männer beseelte, blieben sie zugleich stehen und sahen in das heimathliche Thal hinab. Ihre braunen Gesichter röthete eine stille Freude, denn keiner wollte dem andern seine Bewegung verrathen, und in den Augen des einen, dessen Gesichtsbildung sich vor den übrigen durch Regelmäßigkeit auszeichnete, erglänzten selbst ein paar Thränen, die sich bei dem längern Anschauen des Dörfchens in die langen, braunen Wimpern hingen, bis sie die Hand verwischte.

– Da liegt die Heimath! rief ein munterer Bursche, indem er sich auf seinen kräftigen Haselstock stützte und die lachenden Blicke über das Thal schweifen ließ.