– Gott sei Dank, rief der Zweite, hier hat kein Krieg gewüthet, sie zeigt uns noch die alte wohlbekannte Phisiognomie – es lebe die Heimath!
– Sie lebe! riefen seine beiden Gefährten mit bewegter Stimme.
– Nicht wahr, Konrad, sagte der Erste wieder, unsere Harzberge bieten doch einen andern Anblick dar, als die ewige Fläche Holsteins, die wir so halb und halb dem deutschen Lande erhalten haben. Wenn wir hier einmal die tückischen Dänen auf das Rohr nehmen könnten, wo sie ihre Schiffe nicht im Rücken haben, ich glaube die Lust zu der deutschen Erde sollte ihnen auf ewig vergehen.
– Laß den Krieg, sagte Konrad und fuhr mit der Hand über die Augen, als ob er klarer sehen wollte – wenigstens den Krieg, aus dem wir zurückkehren. Da liegt die Heimath, das Bild des Friedens – trübe den freundlichen Anblick durch solche Erinnerungen nicht, sie sind mir in der Seele verhaßt!
– Kamerad! rief lachend der dritte – und doch hast Du wie ein Löwe mit dem Kolben auf die strupphaarigen Rothröcke eingehauen, als ob Du sie alle mit einem Schlage von der deutschen Erde vertreiben wolltest – macht Dir die Medaille, die Du in Deiner Rocktasche trägst, kein Vergnügen?
– Ich bitte Dich, schweig! antwortete Konrad in einem unmuthigen Tone – hätte ich sie nicht für die Lebensrettung meines Majors, des Grafen Rudolph erhalten, der zu gleicher Zeit unser Gutsherr ist, ich glaube, ich hätte sie nicht genommen. Der Graf denkt wie ich, darum hat er mit dem Abschlusse des Waffenstillstandes den Kriegsdienst verlassen und sich auf sein Schloß zurückgezogen, das dort so freundlich über den Wald emporragt.
– Glaubst Du denn wirklich, daß ihn der Haß gegen den Krieg zum Ausscheiden aus dem Heere angetrieben hat? fragte der Erste wieder. Konrad, Du stehst in einem fast vertraulichen, freundschaftlichen Verhältnisse zu dem Grafen, und solltest den wahren Grund nicht kennen? Ich will ihn Dir nennen!
– Nun? fragten zwei Stimmen zugleich.
– Nicht der Haß, sondern die Liebe hat ihn auf seine Güter zurückgeführt.
– Ja, die Liebe zu seiner Cousine Emma von Linden, die seit einigen Jahren, da sie Waise ist, auf dem Edelhofe des alten Baron von H. lebt – fügte der Dritte hinzu – das konnte ich mir wohl denken, man sprach schon davon, ehe wir zu unserm Regimente gingen.